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Durch Überzeugungsarbeit einen aktiven Beitrag zum Tierschutz leisten

Viele Wellensittichhalter kennen diese Situationen nur zu gut: beim Gespräch mit Kollegen erzählt jemand stolz von seinem Einzelwellensittich, der Besuch bei Bekannten fördert einen viel zu kleinen Käfig mit einem Wellensittichpärchen zutage oder man läuft nichtsahnend an einem Haus vorbei und sieht im Fenster einen einzelnen Wellensittich mit Plastikkumpel sitzen.
In diesen Situationen möchten viele Wellensittichhalter den Tieren gerne helfen und ihre Haltung verbessern. Sei es durch einen zweiten Wellensittich, einen größeren Käfig, Freiflug oder alles zusammen.

Unsere Tipps und Tricks helfen dabei.

Keine Vorwürfe machen

Einen Halter mit Vorwürfen wie „Einzelhaltung ist Tierquälerei“ zu überhäufen, erzeugt meist keine Einsicht, sondern entgegen unserem Vorhaben eine Abwehrhaltung. Haltungsmissstände sollten ruhig und sensibel angesprochen werden, der Halter sollte nicht angegriffen oder verurteilt werden. Als sehr produktiv hat sich die Frageform erwiesen, da sie dem Halter suggeriert, er selbst hätte sich bereits über eine Verbesserung seiner Haltung Gedanken gemacht. Einzelhalter können beispielsweise mit der Frage „Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihrem Wellensittich einen Partner zu besorgen?“ vorsichtig auf das Thema Einzelhaltung hingewiesen werden, ohne irgendeine Wertung der derzeitigen Haltung vorzunehmen. Im Anschluss kann man etwa über seine eigenen Wellensittiche erzählen, wie wohl sie sich im Schwarm fühlen, warum das so ist (Stichwort: Leben in riesigen Schwärmen in Australien).
Oft ergeben sich hieraus sehr nette Gespräche und Hilfsangebote, die auch erfolgen sollten („Ich kann Ihnen gerne bei der Suche nach einem gleichaltrigen Wellensittich helfen“), werden dankbar angenommen.

Nicht locker lassen, aber auch nicht penetrant sein

Werden bereits nach dem ersten Gespräch Ratschläge beherzigt und umgesetzt, ist dies selbstverständlich ein toller Erfolg. Doch nicht immer lassen sich jahrelange Haltungsfehler durch ein kurzes Gespräch beheben. Oftmals braucht es Zeit, bis Halter sich überzeugen lassen und ihre Meinung bezüglich ihrer Wellensittichhaltung ändern. In diesem Falle sollte man, sofern dies möglich ist, das Thema Wellensittichhaltung immer mal wieder ansprechen. Interessiertes Nachfragen ist eine gute Möglichkeit, möglichst unverfänglich die Haltungsmissstände noch einmal anzusprechen. „Wie geht es Ihrem Bubi?“, „Badet er bei diesem warmen Wetter genauso gerne wie meine Vier?“ Im Laufe des sich so ergebenden Gesprächs sollte man natürlich immer wieder positive Beispiele aus der eigenen Haltung erwähnen und gleichzeitig die Frage einstreuen, ob sich an der Haltung des anderen etwas verbessert hat.
Wichtig bei diesem Vorgehen ist, den Halter weder zu nerven, noch ihn zu oft auf das Thema Wellensittiche anzusprechen. Ein zu penetrantes Auftreten mit der Forderung nach Verbesserung erzeugt häufig Ablehnung.

Unterstützung durch Infomaterial

Gedrucktes Infomaterial bietet immer eine gute Unterstützung bei diesen Gesprächen. Es vermittelt dem Halter einerseits Kompetenz und zeigt, dass die Ansichten des Wellensittichhalters durch Vereine und Ansprechpartner gestützt wird und nicht nur dessen Fantasie entsprungen ist.
Auch wenn der Halter erst ablehnend reagiert, kann er zu Hause das Infomaterial in Ruhe durchlesen und ändert vielleicht doch noch seine Meinung - so muss er auch nicht gleich zugeben, dass er Unrecht hat.
Umfassendes Infomaterial zu verschiedenen Themen stellt der VWFD auf seiner Homepage zum Ausdrucken zur Verfügung.

Wenn ein Gespräch nicht möglich ist

Der einsame Wellensittich am Fenster ist das beste Beispiel für eine Situation, in der ein persönliches Gespräch oftmals nicht möglich ist. Nicht jeder möchte in solch einem Fall bei wildfremden Menschen an der Haustür klingeln und diese in ein Gespräch über Wellensittiche verwickeln. Viele Personen reagieren auch ablehnend auf fremden Besuch, fühlen sich überrumpelt oder vermuten eine unseriöse Einrichtung dahinter.
Hier haben sich Briefe bewährt, die die Haltungsmissstände ansprechen, Verbesserungen vorschlagen und Hilfe anbieten. Zusätzlich kann diesem Brief Infomaterial beigefügt werden.
Vorschlag für den Aufbau eines solchen Briefes:

  • Vorstellung des Absenders: Briefe sollten nicht anonym geschrieben werden, sondern aufgrund der Seriosität immer den Namen des Absenders beinhalten.
  • Erklärung der Situation: Wie wurde man auf den Wellensittich aufmerksam, warum interessiert man sich dafür (eigene Wellensittiche ...).
  • Aufzählung der Haltungsmissstände: Auch hier sollten Vorwürfe und zu harte Formulierungen vermieden werden. Die Frageform kann genutzt werden, sollte aber klare Positionierungen nach sich ziehen.
  • Verbesserungsvorschläge unterbreiten: Wie kann die Situation konkret verbessert werden?
  • Hilfe anbieten: Optimal ist hier die Angabe der eigenen Telefonnummer für Nachfragen.

Letzter Schritt: Anzeige beim Amtstierarzt

Eine Anzeige beim Amtstierarzt sollte immer der letzte Schritt sein und erst dann erfolgen, wenn Informationen und Überzeugungsarbeit nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Verfolgung solcher Anzeigen teilweise langwierig sein kann und häufig nicht den gewünschten Erfolg bringt. Daher sollte zunächst alles versucht werden, um das Leben des Wellensittichs auf die vorher aufgezeigte Art und Weise zu verbessern. Ausnahmen bilden selbstverständlich Situationen, in denen eine akute Gefahr für die Gesundheit und das Leben des Tieres besteht, ebenso bei Misshandlungen, die sofort angezeigt werden sollten.
Beachten sollte man auch, dass lange nicht alle Haltungsmissstände beim Amtstierarzt angezeigt werden können. Im Folgenden findet sich hierzu ein kleiner Überblick.

Diese Beobachtungen sollten zu einer Anzeige führen:

  • Jede Art von aktiver Tierquälerei und Misshandlung
  • Behältnisse, die für die Tierhaltung völlig ungeeignet sind und das Tier in seiner Bewegung massiv einschränken (Kartons, Haltung in Transportboxen)
  • Sehr beengte Verhältnisse durch zu viele Tiere in einem zu kleinen Käfig
  • Unbehandelte, offensichtlich kranke Tiere
  • Ungeklärte Todesfälle in kurzer Zeit in größeren Schwärmen
  • Zucht ohne Zuchtgenehmigung (schließt auch bereits das Aufhängen von Nistkästen mit ein)
  • Große Verschmutzung des Käfigs / der Umgebung
  • Der Verdacht auf Animal Hoarding

Diese Beobachtungen sind für eine Anzeige leider nicht ausreichend:

  • Einzelhaltung
  • Handelsüblicher, aber zu kleiner Käfig
  • Kein Freiflug
  • Schlechte Ernährung, z.B. kein Grünfutter oder ungesunde Knabberstangen

Bei Fragen zur Vorgehensweise oder wenn ihr alleine nicht mehr weiterkommen solltet, könnt ihr euch jederzeit an die AG Tierschutz des VWFD e. V. wenden. Schickt einfach eine Email an den Tierschutz und wir werden versuchen, euch schnellstmöglich zu helfen.