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Parasitosen

Parasitäre Erkrankungen beim Wellensittich

Wellensittiche können, wie andere Haustiere auch, aufgrund verschiedener Umstände von Parasiten befallen werden. Man unterscheidet zwischen "äußeren" und "inneren" Parasiten, Ekto - und Endoparasiten.
Ektoparasiten nisten sich hauptsächlich in der Schnabelwachshaut, in Körperöffnungen, an ungefiederten Körperstellen oder im Gefieder ein. Endoparasiten befallen die inneren Organe, insbesondere den Kropf und den Atmungs - und Verdauungstrakt.
Mit der Verabreichung entsprechender Medikamente und konsequenter Hygiene sind die meisten parasitären Erkrankungen jedoch gut zu therapieren.

In den folgenden Rubriken werden verschiedene, durch Parasiten verursachte, Infektionen vorgestellt:

Ektoparasiten


Endoparasiten





Räudemilben

Die Räudemilbe - beim Wellensittich überwiegend die Art Knemidocoptes pilae - ist ein 0,3 mm (Männchen) bis 0,4 mm (Weibchen) großer Parasit, der sich vorwiegend in der Schnabelwachshaut, dem Schnabelhorn, aber auch in der Haut (an Augen / Kloakenöffnung) und an den Ständern (an Füßen / Zehen) einnistet. Der Lebenszyklus der Milben beträgt ca. 3 Wochen. Die Weibchen graben sich durch das Schnabelhorn und die Haut und legen auf ihrem Weg die Eier ab.

Ein leichter Milbebefall

Diagnose: Es entstehen Bohrgänge und Bohrlöcher, die man meist schon mit bloßem Auge erkennen kann. Auf dem Horn des Schnabels bilden sich weiße Beläge. Die Haut wird durch die Milben gereizt und reagiert mit der Ausbildung von grauweißen, schwammähnlichen Wucherungen. Die Erkrankung wird deshalb auch als Räudeschwamm, beziehungsweise Schnabelschwamm bezeichnet.
Das Schnabelhorn wird durch die Parasiten mit der Zeit brüchig und kann sich abnorm verformen. Die Übertragung erfolgt meistens durch die Elterntiere auf das Küken. Eine Übertragung unter erwachsenen Tieren gilt nach derzeitigem Wissensstand als eher unwahrscheinlich.
Der Ausbruch der Krankheit kann sich, abhängig von der Stabilität der Körperabwehr des Tieres, über Monate, sogar Jahre hinausschieben. Der Vogel leidet meist erst bei stärkerem Befall unter Juckreiz.

Behandlung: Eine Behandlung dieser parasitären Erkrankung ist in aller Regel erfolgreich. Bewährt hat sich der Einsatz von Avermectinen. Das sind sogenannte Kontaktgifte, von denen dem Wellensittich vom Tierarzt 1-2 Tropfen in geeigneter Verdünnung auf die Haut, normalerweise in den Nacken, geträufelt werden (“Spot-On-Behandlung”). Die Substanz gelangt schnell über die Haut ins Blut und verteilt sich im Körper. Innerhalb weniger Tage werden die aktiven Milben abgetötet. Da die Eier unempfindlicher sind, muss die Behandlung nach 10-21 Tagen mindestens einmal (je nach Stärke des Befalls auch öfter) wiederholt werden. Die Medikamente werden in der für die Milbenbekämpfung nötigen geringen Dosierung und bei dieser Art der Behandlung von Sittichen in der Regel gut vertragen.

Ein starker Milbebefall

Unterstützend kann man Paraffinöl einsetzen, in dem man die befallenen Stellen dünn, mit Hilfe eines Wattestäbchens, bestreicht. Paraffinöl erhält man, abgefüllt in ein kleines Fläschchen, in jeder Apotheke. Durch das Öl werden die aktiven Milben erstickt. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass der Vogel nicht zu viel von dem Öl in den Schnabel bekommt, da Paraffin abführend wirken kann.
Eine Therapie bei leichten Räudemilbenbefall kann auch ohne den Einsatz von Avermectinen durchgeführt werden. Dazu muss der Vogel täglich 1-2 mal eingefangen werden, damit alle betroffenen Stellen ausreichend mit Öl bestrichen werden können. Damit der Lebenszyklus der Milbe (Eiablage, schlüpfen, heranwachsen) dauerhaft unterbrochen wird, empfiehlt sich eine Behandlung über einen Zeitraum von mindestens 4 bis 6 Wochen. Man sollte jedoch dabei bedenken, dass das Einfangen über einen längeren Zeitraum besonders für nicht-zahme Vögel einen enormen Stress bedeutet.

Besondere hygienische Maßnahmen der Umgebung (Käfig / Inventar) müssen bei einem Räudemilbenbefall nicht getroffen werden, da die Übertragung direkt von Vogel zu Vogel erfolgt.

Die rote Vogelmilbe

Flip wurde mit der Spot-On-Methode behandelt

Eine Infektion mit der roten Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) ist bei Ziervögeln in Außenvolieren, seltener auch in Wohnungshaltung, eine häufig verursachte Erkrankung.
Diese Milbe ist ein 1mm großer, blutsaugender Parasit, der vor allem Vögel befällt. Die Entwicklungszeit vom Ei zur erwachsenen Milbe dauert unter optimalen Bedingungen (bei ungefähr 30 Grad Celsius) zwischen 5 bis 10 Tagen. Deshalb ist im Sommer eine Vermehrung dieser Milbenart zu beobachten. Unter ungünstigen Bedingungen ist diese Milbenart aber auch bis zu einem halben Jahr ohne Nahrung überlebensfähig.
Vögel in Außenvolieren sind besonders gefährdet, sich mit den Parasiten zu infizieren. Eine Ansteckung bei Stubenvögeln erfolgt durch neue Äste, unter deren Rinde sich der Parasit tagsüber aufhält. Die rote Vogelmilbe ist überwiegend nachtaktiv, tagsüber versteckt sie sich in Spalten und Ritzen.

Der Parasit befällt Vögel unterschiedlicher Arten, besonders unter Wirtschaftsgeflügel ist er gefürchtet, da er als Hygieneschädling gilt.
Die blutsaugende Milbe kann infolge des Blutsaugens Viren und Bakterien auf andere Vögel übertragen. Sie sollte als Krankheitsüberträger nicht unterschätzt werden. Ein Befall der roten Vogelmilbe zeigt sich beim Wellensittich durch Unruhe nachts und einem daraus bedingten vermehrten Schlafbedürfnis tagsüber.
Die Milbe verursacht durch ihre Stiche Hautreizungen, bei starkem Befall kann es zu Blutarmut, unter Jungvögeln und brütenden Vögeln schlimmstenfalls zu Todesfällen kommen. In Höhlen brütende Vögel und ihre Nestlinge sind besonders gefährdet, da die Milbe in der Dunkelheit des Nistkastens rund um die Uhr aktiv ist und die Tiere extrem schwächen kann. An unbefiederten Nestlingen kann man bei sehr starkem Befall kleine, rote Punkte erkennen, welches die Einstichstellen der Milben sind.
Der Hauptwirt des Parasiten sind Wild - und Ziervögel. Eine Übertragung auf Säugetiere ist jedoch möglich, ein Befall beim Menschen kann die sogenannte Vogelhalterkrätze verursachen, die starken Juckreiz und Hautentzündungen zur Folge hat.

Diagnose: Milben, die mit Blut vollgesogen sind, kann man als rote Pünktchen erkennen, ungenährte Milben haben eine grau-weißliche Farbe. Bei nächtlicher Unruhe der Vögel empfiehlt es sich, ein weißes Tuch über den Käfig zu hängen. Frühmorgens am nächsten Tag sind dann in aller Regel bei einem Befall dieser Milbenart die Parasiten darauf zu sehen. Man kann auch in die Ritzen und Ecken des Käfigs Tesafallen befestigen, an denen die Milben kleben bleiben. Zur genauen Abklärung sollte ein vogelkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Flip wurde mit der Spot-On-Methode behandelt

Behandlung: Da die Milben sich tagsüber nicht am Vogel aufhalten, müssen die Tiere nicht behandelt werden! Man sollte sie vorübergehend in einen anderen, vorbehandelten Käfig in einen anderen Raum stellen.
Diese Milbenart ist nur schwer loszuwerden, deswegen sollte alles aus Naturmaterialien, Sitzstangen, Seile, Einstreu etc. verbrannt werden. Alles Andere, Käfig und alle Sachen, die man nicht entsorgen möchte, müssen gründlich eingepudert oder eingesprüht werden. Ausserdem muss der gesamte Raum inklusive Inhalt eingesprüht werden, den Schlupfwinkel der Milben können überall sein (z. B. auch hinter der Tapete).

Wichtig: Die Behandlung dieser parasitären Infektion sollte immer nur von einem vogelkundigen Tierarzt angeordnet und nicht in Eigenregie vorgenommen werden. Der Tierarzt kann detaillierte Anweisungen zur Desinfektion (Dosierung der Mittel) der Umgebung geben, sodass die Vögel keinen Schaden nehmen. Unsachgemäßer Umgang mit Kontaktgiften führt beim Wellensittich zu schwersten Vergiftungen.

Askariden - Spulwürmer

Küken mit starkem Wurmbefall

Wellensittiche, die in Außenvolieren leben und dort nicht genügend vor dem Kot von Wildvögeln geschützt werden (z. B. durch eine fehlende Überdachung), sind besonders gefährdet, Wurmlarven oder Eier über verschmutztes Trinkwasser und Futter in sich aufzunehmen. Relativ häufig infizieren sich Wellensittiche mit Askariden (Spulwürmern).
Askariden sind ca. 2 bis 3,5 cm lange, gelblichweiße Rundwürmer. Das geschlechtsreife Weibchen legt im Laufe seines Lebens Millionen von Eiern ab, die in feucht-warmem Milieu nach 10-17 Tagen infektiös werden und dann unter Umständen jahrelang überlebensfähig bleiben. Mit der Aufnahme der Eier beginnt der ca. 6 wöchige Zyklus zum geschlechtsreifen Wurm innerhalb verschiedener Abschnitte des Wellensittichdarms. Der Parasit schädigt die Darmschleimhaut, es können sich Geschwulste bilden und schlimmstenfalls kann ein Massenbefall zu einem Darmverschluss durch Wurmknäuel führen.

Diagnose: Mögliche Symptome bei Wurmbefall sind Durchfall (breiig), anhaltende Apathie und Abmagerung. Die vom Wurm ausgeschiedenen Gifte können zu zentralnervösen Störungen führen. Manche Tiere zeigen aber auch erst nach Monaten Symptome. Einen Spulwurmbefall kann man anhand einer Kotprobe (in der die dickschaligen Eier zu finden sind) nachweisen. Die Kotuntersuchung sollte mehrfach bzw. von Sammelkot durchgeführt werden, da die Ausscheidung der Eier zeitweilig aussetzend erfolgt. Spulwurmbefall muss unbedingt tierärztlich behandelt werden.

Mit dem Kot ausgeschiedene Würmer

Behandlung: Es werden verschiedene Antiparasitika zur Therapie eingesetzt. Über das Trinkwasser oder direkt oral - in den Schnabel - verabreicht, wird Levamisol. Der Wirkstoff Fenbendazol sollte immer direkt oral gegeben werden. Avermectine können auch Spot-on (2 Tropfen in das Nackengefieder - siehe Räudemilben) eingesetzt werden, sie gelten bei Spulwürmern aber als etwas weniger wirksam.
Bei allen Wurmmitteln ist auf eine genaue Dosierung zu achten! Beim Einsatz des Wirkstoffs Fenbendazol darf nur die 2,5 % Lösung verwendet werden. Der Wellensittich sollte vorab gewogen werden, damit das Medikament entsprechend genau dosiert werden kann. Die Antiparasitika bewirken, das die Würmer im Darm zunächst gelähmt werden und dann absterben. Der Vogel scheidet die, meist toten, Würmer über den Kot aus. Die Eier und Larven werden durch die Wirkstoffe ebenfalls vernichtet.

Wichtig: Bei Spulwurmbefall ist auf strengste Hygiene zu achten. In Außenvolieren ist ein komplettes Abtragen des Bodenbelags notwendig (es empfiehlt sich eine Reinigung mit dem Dampfstrahler), Innenvolieren und Käfige müssen gründlich gereinigt und Naturäste ausgewechselt werden. Trink - und Futternäpfe sollten ausgetauscht werden. Bei Neuzugängen darf grundsätzlich auf die Untersuchung einer Sammelkotprobe (über 3 Tage) nicht verzichtet werden, um das Risiko einer Durchseuchung des bestehenden Schwarms zu minimieren.

Trichomonaden

Trichonomaden (Trichomonas gallinae) sind Einzeller aus der Gruppe der Flagellaten und sind nur mikroskopisch zu identifizieren. Diese birnenförmigen Geißeltierchen sind vor allem in feuchtem Milieu (Pfützen, stehendem Gewässer, Trinkgefäße) lange überlebensfähig, sterben jedoch bei Hitze und durch Austrocknung relativ schnell ab. Die Infektion mit den Parasiten wird Trichomoniasis genannt.
Vögel in Außenvolieren können sich, bei mangelndem Schutz (z.B. fehlende Überdachung), bei Wildvögeln (vor allem Tauben) anstecken. Aber der Erreger ist bei Wellensittichen allgemein weit verbreitet.

Trichomonaden nisten sich im oberen Verdauungstrakt bei Wellensittichen ein. Dort können sie monatelang, manchmal sogar über Jahre “mitleben”, ohne dass der Vogel Krankheitssymptome ausbildet. Der Ausbruch der Krankheit (Jungtiere und Vögel mit verminderter Körperabwehr sind besonders empfänglich) zeigt sich häufig in schleimartigem Erbrechen - Kropfentzündung - in Gewichtsverlust und in Apathie, wie häufigem Schlafen. Ein fauliger Geruch aus dem Schnabel kann ein weiters Indiz für diese parasitäre Erkrankung sein. Bei Erbrechen und Verdacht auf Kropfentzündung sollte immer eine Kropfspülung oder ein Kropfabstrich erfolgen, damit zwischen Parasiten, Bakterien und Pilzen differenziert werden kann.

Die Trichomonaden schädigen die Schleimhäute des Kropfes, Sekundärinfektionen durch Bakterien oder Pilze werden dadurch begünstigt. In Einzelfällen streut die Trichomonadeninfektion auch aus dem Kropf ins Körperinnere und kann z.B. auch Leber und Herz befallen.

Eine Ansteckung erfolgt über die Elterntiere auf das Küken durch Füttern, über gegenseitiges Partnerfüttern und über die Aufnahme von infiziertem Wasser.
Mit Hilfe einer Kropfspülung oder eines Kropfabstrichs ist der Parasit zu bestimmen. Im körperwarmen Schleim sind die beweglichen Geißeltierchen bis maximal 48 Stunden nach der Probenentnahme unter dem Mikroskop nachzuweisen.
Eine frühzeitig erkannte Trichomoniasis ist gut zu therapieren. Bei bereits bestehenden tieferen Gewebeschäden oder dem Befall innerer Organe ist die Prognose dagegen schlecht. Als sehr wirkungsvoll hat sich die einmalige Gabe von Carnidazol erwiesen. Dieser Wirkstoff wird dem Vogel direkt oral - in den Schnabel - verabreicht. Andere Wirkstoffe, wie Metronidazol oder Dimetridazol werden über mehrer Tage über das Trinkwasser gegeben. Behandelt werden immer alle Vögel eines Bestandes.

Bei einem Trichonomadenbefall ist es wichtig, Trink- und Fressnäpfe gründlich mit heißem Wasser zu reinigen und über einen längeren Zeitraum austrocknen zu lassen. In Außenvolieren dürfen sich keine Bodenpfützen bilden, eine regelmäßige Grundreinigung sollte selbstverständlich sein.
Auch hier gilt: Bei Neuzugängen einen Kropfabstrich oder eine Kropfspülung vornehmen lassen, damit sich dieser Schmarotzer nicht in den bestehenden Bestand einschleicht.