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Eingangsuntersuchung

Gesundheitsscheck für neue Schwarmmitglieder

Bei einem neu erworbenen Vogel ist es grundsätzlich wichtig ihn zu einem ersten “Gesundheitscheck” bei einem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen. Dabei ist es zweitrangig, woher der Wellensittich stammt. Ob aus der Zoohandlung, vom Züchter, aus dem Tierheim oder durch eine Vermittlungsrubrik - jeder Vogel kann eine versteckte Krankheit in sich tragen. Selbst wenn das Tier augenscheinlich gesund wirkt, die meisten Infektionen lassen sich nur mit speziellen Untersuchungsmethoden nachweisen. Die Eingangsuntersuchung dient nicht alleine der Abklärung des Gesundheitszustandes, sie ist gleichzeitig ein Schutz des Restschwarms vor möglichen Infektionen. Deshalb sollte diese zum “Standardprogramm” eines jeden verantwortungsbewussten Halters gehören.

Transportkäfig

Für den Transport zum Tierarzt gibt es im Fachhandel spezielle Transportboxen, so dass das Tier sicher befördert werden kann. Auf den Boden der Transportbox sollte Frischhaltefolie (kein Küchentuch) ausgelegt werden, damit der Tierarzt gleich noch eine frische Kotprobe untersuchen kann. Eine solche frische Kotprobe ist wichtig, da bestimmte Erreger nur auf diese Weise zu erkennen sind. Zum Transport deckt man die Transportbox am besten mit einen Tuch ab, insbesondere in der kalten Jahreszeit ist es sinnvoll das Auto etwas vorzuheizen.

Kappengriff Lage des Vogels in der Hand

Untersuchung beim vogelkundigen Tierarzt:

Bei der ersten allgemeinen Untersuchung wird

  • der Ernährungszustand
  • das Gewicht
  • die Kloake
  • die Schnabelhöhle
  • die Krallenlänge
  • das Gefieder des Vogels betrachtet
  • und die Atmung kontrolliert.

Dazu nimmt der vogelkundige Tierarzt das Tier in die Hand und hält es zunächst mit dem sogenannten “Fixiergriff” oder “Scherengriff” fest. Daumen und Zeigefinger halten dabei das Köpfchen des Wellensittichs fest. Beim “Kappengriff” fixiert der Zeigefinger die Kopfoberseite. Mit dem Rücken liegt der Vogel in der Hand des Betrachters.
Ein Vogelkundler kann anhand der äußeren Untersuchung bereits eine erste Diagnose stellen und weitere Untersuchungen einleiten. Sind die Krallen zu lang, z. B. durch ungeeignete Sitzstangen, werden sie gekürzt.

Krallenschneiden

Zum Pflichtprogramm der Erstuntersuchung gehören weiter:

  • die mikroskopische Untersuchung des Kotes (Sammelkot von mindestens 24h) und
  • ein Kropfabstrich, bzw. eine Kropfspülung.
Kloake Kotproben Kropfabstrich Kropfabstrich

Mikrobiologische Untersuchungen:

Bakterien und Pilze sind größtenteils nur durch eine mikrobiologische Untersuchung festzustellen. Um diese zu identifizieren und die entsprechende Therapie einleiten zu können, werden aus Kropf - und Kloakenabstrichen und Kot (bei Bedarf aus Gewebe - und Flüssigkeitsabstrichen) Kulturen angelegt. Da viele Bakterienstämme bereits erhebliche Resistenzen auf verschiedene Antibiotika entwickelt haben, ist es wichtig mit Hilfe eines sogenannten Resistenztestes das passende Antibiotikum zu ermitteln.

Parasitologische Untersuchungen:

Parasiten können anhand von unterschiedlichen Verfahren (z.B. Flotationsverfahren) und Tests ermittelt werden. Damit eine fundierte Parasitenuntersuchung (Würmer, Kokzidien) vorgenommen werden kann, sollte man allerdings Sammelkot über mindestens 24 h nehmen, hierbei wird noch vor der mikroskopischen Untersuchung eine Anreicherung (Flotation) vollzogen. Diese Anreicherung dauert ca. eine halbe Stunde, wird also in der Regel nicht direkt in der Sprechstunde erfolgen, das Ergebnis kann aber innerhalb eines Tages da sein, wenn die Untersuchung in der TA-Praxis selbst erfolgt.

Kloaken - und Kropfabstriche werden mit Hilfe eines sterilen Wattetupfers durchgeführt. Einfache Abstriche können direkt unter dem Mikroskop untersucht werden, wie beispielsweise beim Macrorhabdus ornithogaster (Megas). Um eine genaue Erregerbestimmung bei anderen Arten vornehmen zu können, bedarf es aber einer Anzüchtung. Das kann bis zu 14 Tage dauern, da insbesondere Pilzkulturen erst über einen längeren Zeitraum nachgewiesen werden können. Es empfiehlt sich, diese Mindestzeit an Quarantäne einzuhalten. Erst wenn die Ergebnisse der Untersuchung feststehen und kein Befund vorliegt, darf der Neuzugang frühstens in den Schwarm integriert werden. Natürlich hat dies immer in Rücksprache mit dem Tierarzt zu erfolgen. Die Kotuntersuchung und den Kropfabstrich kann gegebenenfalls (am besten vorher telefonisch abklären) auch ein nicht-vogelkundiger Tierarzt vornehmen und einschicken.

Eine Eingangsuntersuchung mit einem negativen Befund ist keine 100% Garantie für einen gesunden Vogel, doch sie mindert das Risiko eines unvorhersehbaren Krankheitsausbruchs, und die dann vielleicht erforderliche Behandlung des ganzen Schwarms, erheblich.

Detailliertere Informationen zu den Untersuchungsmethoden beim vogelkundigen Tierarzt finden sich hier.

Wir danken Frau Dr. Friedrich für die freundliche Unterstützung beim Erstellen des Bildmaterials.