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Französische Mauser, Polyomavirus-Infektion

1. Definition

Verursacher der französischen Mauser ist das Polyomavirus.

2. Ergänzung

Der Polyomavirus befällt Wellensittiche ebenso wie andere Papageienartige. Weitere Bezeichnungen für die Krankheit sind neben der französischen Mauser Renner- oder Hopserkrankheit, sowie Wellensittichnestlings-Sterblichkeit. Betroffene Vögel werden als Renner oder Hopser bezeichnet. Man unterscheidet zwischen einem akuten und einem chronischen Krankheitsverlauf. Die akute Form betrifft meist ganz junge Nestlinge und die Sterblichkeitsrate ist bei diesem Verlauf sehr hoch. Die chronische Form zeigt die "typischen" allgemein bekannten Symptome der französischen Mauser.

3. Übertragung

Der Virus kann sowohl über den Kot, als auch über Gefieder- und Hautpartikel übertragen werden. Ebenso ist eine Übertragung entsprechender Virusantikörper durch die Mutter an den Nachwuchs möglich. Betroffene erwachsene Vögel bleiben Zeit ihres Lebens Überträger, selbst wenn sie nicht erkranken. Bei der akuten Form beträgt die Inkubationszeit im Schnitt weniger als eine Woche. Bei der chronischen Form erfolgt die Virusinfektion nach der zweiten Lebenswoche und mit einer geringen Virendosis.

4. Symptome

Akute Form:

  • Plötzliche Kükensterblichkeit
  • Appetitlosigkeit und Dehydration
  • Kropfstasis
  • Gelblich verfärbte Haut
  • Blutungen in der Unterhaut

Chronische Form:

  • Fehlbildung und Ausfall der langen Schwung- und Schwanzfedern
  • seltener Fehlbildungen und Ausfall des gesamten Gefieders
  • Flugunfähigkeit
  • unterschiedliche Organerkrankungen

5. Verlauf

Bei der akuten Form kommt es zu einer plötzlichen Kükensterblichkeit mit einer Todesrate von nahezu 100%. Die Krankheitsfälle häufen sich hier in der zweiten bis zwölften Lebenswoche.
Bei der chronischen Form verlieren die Jungvögel in der Regel zum Zeitpunkt des Flüggewerdens das aus Schwung- und Schwanzfedern bestehende Großgefieder ganz oder teilweise. In manchen Fällen ist auch das Kleingefieder von diesem Verlust betroffen. Ebenso kann das Gefieder Missbildungen aufweisen. Manchmal wachsen die fehlenden Federn im Erwachsenenalter wieder nach, aber die meisten betroffenen Wellensittiche bleiben zeitlebens flugunfähig.
Neben den Gefiederschäden können unterschiedliche Organerkrankungen der Leber, der Niere oder des Herzens auftreten.

6. Krankheitsauslösende, -begünstigende Faktoren

  • Zucht mit infizierten Altvögeln
  • schlechte Haltungsbedingungen
  • Stress
  • Mangelhafte Ernährung

7. Diagnostik

Die auftretenden Gefiederstörungen lassen den Verdacht auf eine entsprechende Viruserkrankung wie PBFD oder Polyoma zu. Eine genaue Diagnose kann nur durch die Untersuchung einer Feder- oder Blutprobe gestellt werden. Mittels der so genannten PCR-Untersuchung wird die Probe auf das Vorhandensein der Virus DNA untersucht. Ein gleichzeitiger Test auf PBFD ist zu empfehlen.

8. Therapie / Unterstützende Maßnahmen

Eine echte Therapie für die französische Mauser gibt es nicht. In den USA gibt es wohl einen Impfstoff gegen Polyoma, aber dieser ist in Deutschland nicht zugelassen. Eine Unterstützung mit Vitamin- und Mineralpräperaten wie z. B. Korvimin oder AviConcept unterstützt die Mauser und die Gefiederbildung. Auf eine ausgewogene Ernährung und eine behindertengerechte Unterbringung der erkrankten Wellensittiche sollte geachtet werden.

9. Prophylaxe

Mit infizierten Altvögeln darf nicht gezüchtet werden um die Verbreitung der französischen Mauser zu verhindern.

10. Schlusswort

Von der französischen Mauser betroffene, flugunfähige Wellensittiche können in der passend eingerichteten, behindertengerechten Umgebung ein ebenso erfülltes Leben führen, wie ihre gesunden, flugfähigen Artgenossen. Trotzdem sollte ein Nichtflieger auch in einem Schwarm von Fliegern wenigstens einen flugunfähigen Artgenossen als Gesellschaft haben.
In unserem Forum kann man sich mit anderen betroffenen Wellensittichhaltern über deren Erfahrungen austauschen, z.B. in unseren Krankheits- und Handicapforen. Auf unserer Homepage finden sich auch Ratschläge zur behindertengerechten Einrichtung von Käfigen und Spielplätzen.