Logo VWFD banner

Krankheiten erkennen

Wenn es um das Thema Wellensittiche und Krankheiten geht, muss man sich eines immer vor Augen halten: Die kleinen Australier sind begnadete Schauspieler. Das bedeutet, dass ein Wellensittich immer versuchen wird, eine Erkrankung so lange wie irgendwie möglich zu verbergen. In freier Natur hat dieses Verhalten durchaus seinen Sinn, da ein kranker Vogel potenzielle Fressfeinde anlockt und so den ganzen Schwarm gefährden würde.
Häufig befindet sich eine Krankheit bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, sobald die ersten Anzeichen sichtbar sind. Aus diesem Grund sollte schnell gehandelt werden, langes Warten oder Experimentieren kann im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Eine wichtige Voraussetzung, um Krankheiten bei seinen Wellensittichen erkennen zu können, ist, sie im Alltag zu beobachten. Wenn ein Vogelhalter seine Tiere im gesunden Zustand gut kennt, so fallen ihm Änderungen im Verhalten seiner Sittiche schneller auf. Sondert sich ein sonst munterer Vogel plötzlich von den Artgenossen ab, oder ist er z. B. nicht mehr -wie üblich- der Erste am Futternapf, so sind das Alarmzeichen, die einen Tierarztbesuch notwendig machen können. Im Zweifelsfall lautet die Devise: Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig zum Tierarzt gehen.

Dies könnten Alarmzeichen sein:

Durchfall - dieser könnte auf eine Lebererkrankung hindeuten
  • Der Vogel sitzt aufgeplustert auf der Stange und zeigt wenig Interesse an seiner Umwelt. Das Gefieder wirkt struppig und matt.
  • Der Kot ist dünnflüssig, schaumig, blutig oder riecht unangenehm. Der Kot enthält unverdaute Körner.
  • Er frisst weniger als normal.
  • Er würgt Schleim und/ oder Körnchen aus dem Kropf.
  • Er wippt mit dem Schwanz und lässt die Flügel hängen.
  • Der Vogel schläft viele Stunden und wirkt apathisch.
  • Er gibt rasselnde Atemgeräusche von sich oder er schnappt nach Luft.
  • Äußere Verletzungen sind erkennbar.
  • Der Vogel hält Extremitäten oder den Kopf in unnatürlicher Haltung.
  • Er zeigt Krämpfe, taumelt oder zittert
  • Der Vogel sitzt auf dem Boden, da er sich auf der Stange nicht mehr halten kann.

Die hier genannten Informationen sollen das Erkennen von Krankheiten etwas erleichtern. Diese Homepage oder ein Besuch in unserem Forum können den Besuch beim Tierarzt nicht ersetzen.

Der richtige Tierarzt

Es ist sehr wichtig, sich bereits vor der Anschaffung der Wellensittiche nach einem vogelkundigen Tierarzt umzusehen. Sollte ein weiter Anfahrtsweg bestehen, so kann unter diesem Aspekt die Erstanschaffung von Wellensittichen nochmals überdacht werden. Denn ein weiter Weg kostet Geld, Zeit und muss organisiert werden.
Sind die Wellensittiche dann eingezogen, erspart es im Krankheitsfall kostbare Zeit, wenn bereits eine gute Tierarztadresse bekannt ist. Im Idealfall findet man einen Tierarzt mit der Zusatzausbildung für Ziervögel oder eine Tierklinik mit der entsprechenden Spezialisierung. Leider gibt es deutschlandweit nur wenige dieser Spezialisten und viele Vogelhalter nehmen daher lange Anfahrtswege in Kauf, um ihren gefiederten Lieblingen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.
Normale Kleintierärzte kennen sich oft nicht gut mit Ziervögeln aus, da im Studium dieses Thema nur sehr kurz angeschnitten wird. Aus diesem Grund verfügen sie oft nur über geringe Kenntnisse in den Untersuchungs- und Behandlungsmethoden von Ziervögeln. Gibt es keinen vogelkundigen Tierarzt in der Nähe, so sollte darauf geachtet werden, dass der Tierarzt dazu in der Lage ist, eine Kotprobe und einen Kropfabstrich zu untersuchen bzw. ins Labor zu schicken. Auch eine Röntgenuntersuchung sollte möglich sein.
Fachtierärzte für Ziervögel können über das Telefonbuch ausfindig gemacht werden. Ansonsten empfiehlt es sich den Rat anderer Vogelbesitzer einzuholen, z. B. über die Krankheitsrubrik in unserem Forum.

Krankheitssymptome

Achtung: Die hier genannten Symptome und Erkrankungen sind nur Beispiele. Eine endgültige Diagnose muss immer von einem Tierarzt gestellt werden!
Eine Änderung des normalen Verhaltens, Absondern vom Schwarm und Aufplustern sind ganz allgemeine Krankheitszeichen. Ein Durchfall kann auf eine Magen-Darm-Erkrankung hindeuten. Hinter Erbrechen bzw. dem Hochwürgen von Körnern und Schleim steckt oft eine Kropfentzündung. Beides kann durch Bakterien, aber auch durch Pilze oder Parasiten verursacht werden. Aus diesem Grund sind die oben genannten Untersuchungen einer Kotprobe und eines Kropfabstriches so wichtig, um dadurch schnell den Krankheitserreger zu bestimmen und den Vogel entsprechend behandeln zu können.
Veränderungen des Gefieders können ebenfalls Anzeichen für Krankheiten sein. Wachsen nach der Mauser Federn nicht mehr oder nur verändert nach, so können Krankheiten wie z. B. die französische Mauser dahinter stecken. Oder hinter einer schief nachwachsenden Schwanzfeder kann sich ein Bürzeldrüsentumor verbergen.
Ein wachsender Schnabel und zu lange Krallen mit dunklen Verfärbungen sind häufig ein Anzeichen für eine Lebererkrankung, ebenso wie gelblicher Kot. Trinkt ein Wellensittich sehr viel und setzt entsprechend viel Urin ab, so deutet das möglicherweise auf ein Nierenleiden hin.

Unfälle

Hier sind zunächst einmal Flugunfälle zu erwähnen. Wellensittiche sind normalerweise sehr gute Flieger, aber im Dunkeln oder durch einen Schreck kann es leicht passieren, dass ein Vogel gegen eine Wand oder einen Gegenstand fliegt. Die Folgen können von Zerrungen über Knochenbrüche bis hin zur Gehirnerschütterung reichen.
Beißereien zwischen den Vögeln gehen im besten Fall mit ausgerissenen Federn aus, genauso gut können blutige Wunden das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit den Artgenossen sein. Vor allem Wellensittichhennen können schon mal zum Zubeißen neigen.
Auch einige Tropfen der Bachblütenmischung Rescue Remedy (Notfall-Tropfen) können dem verunglückten Vogel helfen und Schock- und Angstzustände mildern.

Erste Hilfe

Als Erstes sollte man einen kranken oder verletzten Wellensittich separat in einen Krankenkäfig setzen und falls möglich auch in einem anderen Raum unterbringen, sodass er die anderen Vögel weder sehen noch hören kann.
Im Einzelfall, wenn sich ein krankes Tier wegen der Trennung extrem aufregt oder verzweifelt versucht, aus dem Krankenkäfig zu kommen, kann es jedoch sinnvoll sein, den Vogel im Schwarm zu belassen oder seinen Partner mit in den Käfig zu setzen. Hier muss man sehr genau abwägen, ob eine Trennung hilfreich ist oder eher schadet. Den Raum etwas abzudunkeln hat auf einen kranken Vogel eine beruhigende Wirkung. Einem Sittich, der sich aufplustert, sollte man als erste Maßnahme Wärme zukommen lassen. Wie die Wärmetherapie funktioniert und welche Ausnahmen dabei gelten können Sie hier nachlesen.
Auch leicht verdauliche Kost ist bei kranken Wellensittichen angebracht. Halbreife Hirse, Quell- und Keimfutter sind eine gute Schonkost. Am besten gewöhnt man die Tiere schon vor dem Krankheitsfall an dieses Futter, sodass sie es im Falle des Falles auch wirklich annehmen. Für blutige Wunden empfiehlt es sich immer Blutstiller im Haus zu haben, z. B. Clauden Watte, einen blutstillenden Stift oder Lotagenlösung. Bei stark blutenden Verletzungen sollte auf eine direkte Wärmebestrahlung verzichtet werden, um die Durchblutung nicht zusätzlich anzuregen. Einen Wellensittich, der einen Kollisionsunfall hatte, sollte man dunkel und ruhig stellen und sobald wie möglich dem Tierarzt vorstellen. In einem solchen Fall darf niemals eine Wärmebestrahlung erfolgen.
Knochenbrüche oder auch eine Gehirnerschütterung müssen so schnell wie möglich behandelt werden. Als Erstmaßnahme dienen hier Gelblicht und Traumeeltropfen.
Für solche Fälle sollte eine kleine "Notfall-Apotheke" in keinem Wellihaushalt fehlen.
All diese Erste-Hilfe-Maßnahmen ersetzen jedoch nicht den Tierarztbesuch!

Transport zum Tierarzt

Transportkäfig

Für den Transport zum Tierarzt lässt man einen kranken Vogel am Besten im Krankenkäfig sitzen. Alternativ kann man eine Transportbox benutzen. Als Wegzehrung können etwas Körnerfutter in einem Napf oder ein Stück Kolbenhirse dienen, für die Flüssigkeitszufuhr leistet ein Stück Salatgurke gute Dienste. Zur Beruhigung empfiehlt es sich, den Partnervogel mitzunehmen und den Käfig abzudecken.
Einige Tropfen Rescue Remedy (Notfalltropfen), in den Nacken des Tieres gegeben, wirken beruhigend.

Im Winter und bei kühlem Wetter ist es wichtig, den Vogel gegen die Kälte und Zugluft im Allgemeinem zu schützen.
Am einfachsten deckt man den Vogelkäfig mit einer Decke ab - dies hilft gegen kühlere Temperaturen und Zugluft.
Auch ein mit Luftlöchern versehener Karton, in den man den Käfig zusätzlich stellt, kann hier sinnvoll sein.
Im Winter kann eine Wärmflasche, mit nicht ganz heißem Wasser gefüllt, unter den Käfig gelegt werden; so hat man für den ganzen Weg eine angenehme Strahlungswärme im Käfig.
Alternativ kann auch ein mit einem Handtuch bedecktes Kirschkernkissen - zuvor in der Mikrowelle oder im Backofen erwärmt - auf den Käfigboden gelegt werden.

Auch die sommerliche Hitze birgt Gefahren. Wegen der Gefährdung durch Zugluft sind die Fenster geschlossen zu halten, die Belüftung nur schwach einzustellen und nicht direkt auf den Vogel auszurichten.
Klimaanlagen sollten die Luft nicht zu stark kühlen.
Vor der direkten Sonneneinstrahlung kann man den Vogel durch Schatten spendende Handtücher schützen.

Der letzte Gang zum Tierarzt

Leider sind auch der Tiermedizin Grenzen gesetzt und nicht jedem kranken Vogel kann geholfen werden. Ein Wellensittich, der zum Beispiel an einem Tumor leidet, kann damit noch einige Zeit leben, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die Erkrankung die Oberhand gewinnt. Dann muss man als verantwortungsbewusster Halter eine schwere Entscheidung treffen und sich fragen: Was ist das beste für mein Tier? Wir können und wollen diese Entscheidung niemandem abnehmen.

Aus rein medizinischer Sicht betrachtet, wird dem kranken Sittich eine Überdosis eines Narkosemittels gespritzt. Meist sind die Tiere zu diesem Zeitpunkt schon so geschwächt, dass sie alleine dadurch friedlich einschlafen.