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Macrorhabdiose - bekannt unter dem Namen Megabakteriose / Going Light Syndrom (GLS)

Änderung in der Therapieunterstützung

Die Ansäuerung des Trinkwassers wird durch neuere Erkenntnisse infrage gestellt.

Hier geht's zur Textpassage.

Datum: 16.04.2010

Der Erreger:

Bis vor kurzem ging man fälschlicherweise davon aus, dass Bakterien (gram- und PAS-positive Bakterien) die Verursacher der Erkrankung sind. Daher der frühere Name Megabakterien (kurz "Megas ") für die Erreger und Megabakteriose für die Krankheit. In neueren Forschungen konnten jedoch die Erreger als grampositive und PAS-positive Pilze identifiziert werden, die keine Sporen bilden. Der Pilz wird Macrorhabdus ornithogaster genannt.

Der Verlauf:

Bei dem linken Vogel wurden Megas nachgewiesen, doch der Zustand ist nach einer weitreichenden Therapie stabil

Die Pilze besiedeln vor allem den Drüsenmagen, aber auch den Muskelmagen und schädigen in beiden Mägen Drüsen, Schleimhaut und Magenwände und behindern so die Verdauung. In der Regel ist bei erkrankten Vögeln der pH-Wert im Magen erhöht (also weniger sauer). Außerdem sind die geschädigten Bereiche anfällig für zusätzliche Infektionen durch andere Pilze und Bakterien und für Geschwüre und Blutungen. Vor allem bei Vögeln mit längerer Krankheitsgeschichte sind in der Regel der Drüsenmagen und häufig auch der Muskelmagen erweitert und verdickt; ebenso die Verbindung zwischen beiden Mägen.

Bei einem Ausbruch der Krankheit nimmt der Vogel ohne Therapie immer weiter ab, man spricht von einem "Leichter werden" - "Going-Light-Syndrom ", bis er schließlich verhungert, weil die Nahrung durch die Schädigungen des Verdauungstraktes nicht mehr verwertet werden kann. Dabei verläuft die Erkrankung meist in einzelnen Schüben, wobei die Pausen zwischen den Schüben Monate andauern können.
Ein atypischer Verlauf kann auch ohne Gewichtsabnahme erfolgen, der Vogel stirbt dann letzlich an den degenerativen Veränderungen der inneren Organe. Es gibt ganz akute, schlimme Krankheitsverläufe, bei denen betroffene Vögel innerhalb von wenigen Tagen sterben. Weitaus häufiger ist allerdings ein chronischer Verlauf, der sich auch unbehandelt über viele Monate hinziehen kann.
Stresssituationen, wie z. B. Wechsel der Umgebung, neue Artgenossen und Streitereien unter den Vögeln, begünstigen den Ausbruch und beschleunigen den Krankheitsverlauf.
Leider gibt es kein äußeres Symptom, das absolut eindeutig für diese Erkrankung ist. Die Krankheitsanzeichen sind allgemeiner und können auch andere Ursachen haben.
Die kranken Vögel wirken häufig matt, plustern viel, würgen womöglich, spucken Körner und Schleim.
Der Kot ist oft dünn und weich, gelegentlich hellgrünlich und enthält manchmal ganze unverdaute Körner. Bei inneren Blutungen kann der Kot auch schwarz erscheinen.
Chronische Appetitlosigkeit, aber auch gieriges Fressen kann beobachtet werden. Oft sitzen die Vögel aber auch nur lange am Futter und "kauen " auf den Körnern herum, ohne wirklich etwas aufzunehmen. Im Futternapf befinden sich dann unter Umständen feines Körnermehl und/oder zerdrückte Körner.

Die Übertragung:

Die Übertragung erfolgt meist von den Elterntieren auf das Küken. Bei erwachsenen Wellensittichen können die Übertragungswege gegenseitiges Füttern oder die Aufnahme von infiziertem Kot sein. Besonders anfällig für die Krankheit sind sehr junge, alte oder geschwächte Tiere. Die Möglichkeit einer genetisch bedingten Disposition wird nicht ausgeschlossen.
Ein infizierter Vogel im Schwarm bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sich die anderen Tiere anstecken werden. Viele Tierärzte behandeln deshalb häufig nur den an Macrorhabdiose erkrankten Vogel und nicht den gesamten Bestand.

Die Diagnose:

Macrorhabdus ornithogaster kann man anhand einer mikroskopischen Kotuntersuchung erkennen. Die Pilze lassen sich gelegentlich auch in einer Kropfabstrichprobe nachweisen.
Sie sind allerdings nicht auf den üblichen Kulturmedien für Pilze im Labor anzuzüchten. Eine reine Routineuntersuchung auf Pilze im Labor nützt bei Verdacht auf diese Erkrankung also nichts. Der erste Schritt beim Tierarzt ist daher unbedingt die mikroskopische Untersuchung.
Wegen ihrer Größe und relativ eindeutigen Form sind die Erreger dabei recht klar zu erkennen. Mit verschiedenen mikrobiologischen Färbeverfahren (z.B. der sogenannten Gramfärbung), lassen sie sich auch einfärben und sind dann noch besser zu identifizieren. Zwingend nötig zum Erkennen ist das Einfärben aber nicht. Natürlich kann diese mikroskopische Untersuchung auch in einem Labor erfolgen, an das die Kotprobe eingeschickt wurde. Schwierig wird der Nachweis dadurch, dass die Pilze nicht kontinuierlich vom Vogel ausgeschieden werden. Eine negative Untersuchung bedeutet also nicht zwangsläufig, dass der Wellensittich nicht erkrankt ist. Die Sicherheit der Untersuchung läßt sich erhöhen, wenn Kot von mehreren Tagen untersucht wird und die Untersuchung bei weiterbestehendem Verdacht von Zeit zu Zeit wiederholt wird. Bei einigen Vögeln werden die Pilze nie nachgewiesen und trotzdem können sie welche haben und krank sein.
Auch eine Röntgenuntersuchung kann bei der Diagnose helfen - auf dem Röntgenbild ist eine bereits vorhandene Verdickung des Drüsenmagens (oder beider Mägen) zu sehen. Ob diese Verdickungen von den Pilzen kommen, läßt sich mit letzter Sicherheit allerdings nur bei einer Sektion, also am toten Vogel zeigen, weil dann die typischen Veränderungen an der Magenschleimhaut im Drüsenmagen und im Muskelmagen zu erkennen sind.

Die Therapie:

Das orangefarbene Medikament färbt die Federn

Um den Krankheitsverlauf zu stoppen, werden Antimykotika, hauptsächlich Amphotericin B oral - direkt in den Schnabel - verabreicht. Wegen der häufigen bakteriellen Sekundärinfektionen besteht eine weitere Behandlungsmöglichkeit aus einer Kombinationstherapie von Antimykotika und Antibiotika. Dabei werden insbesondere solche Antibiotika eingesetzt, die auf den Magen-Darm-Trakt wirken. Da die Medikamente die Leber des Vogels belasten, ist es sinnvoll, zusätzlich leberunterstützende Mittel, in Absprache mit dem Tierarzt, zu geben.
Bei einem an Macrorhabdiose erkrankten Wellensittich ist die regelmäßige Gewichtskontrolle sehr wichtig. Eine Gewichtsabnahme kündigt oft als erstes einen neuen Krankheitschub an. Aber auch wegen der erhöhten Anfälligkeit für Sekundärerkrankungen, sollte der Vogel gut beobachtet werden.
Häufig sind die kranken Vögel sehr wärmebedürftig und sitzen gerne vor einer Wärmelampe.

Für eine optimale Unterstützung der Therapie und zur Vorbeugung eines weiteren Ausbruchs empfiehlt es sich folgende Ernährungstipps zu beachten:

Die Ernährung:

Ganz wichtig ist die richtige Ernährung und dass heißt bei Verdacht auf diese Krankheit vor allem der grundsätzliche Verzicht auf Zucker aller Art, da Zucker das Pilzwachstum fördert! Gesüßtes Futter, Knabberstangen mit Honig, aber auch Obst sind tabu. Gemüse, Kräuter, Gräser und anderes Grünfutter ist erlaubt. Solange es den betroffenen Vögeln gut geht und die Verdauung (einigermaßen) normal funktioniert, kann auch normales Körnerfutter angeboten werden.
Je schlechter verdaut wird, je akuter die Krankheit, desto wichtiger wird das Füttern von spezieller, leicht verdaulicher Krankenkost. Gut geeignet sind Quell- und Keimfutter. Breinahrung unterschiedlicher Art kann angeboten werden. Als Zutaten für Brei eignen sich z.B. Ei, zuckerfreier Zwieback, geriebene Möhren, zucker und milchfreie Babynahrung (diverse Getreide- und Gemüsebreis aus dem Glas, aber auch Getreidebrei zum Anrühren).
Auch halbreife Hirse ist eine sinnvolle Krankenkost.
Viele Vögel mögen von sich aus keinen weichen, nassen Brei. Je eher man versucht, sie an diese Nahrung zu gewöhnen, desto besser. Quell- und Keimfutter kann z.B. gut abetropft unter das normale Körnerfutter gemischt werden zur Gewöhnung, Brei kann mit den Lieblingskörnchen garniert werden. Sollte der kranke Vogel zu denen gehören, die am liebsten nur Kolbenhirse fressen, ist es in Ordnung, diese anzubieten - zumindest in akuten Phasen, wenn sonst weiterer Gewichtsverlust droht. Häufig wird eine Ansäuerung des Trinkwassers (auch kurweise) z.B. mit Apfelessig empfohlen, damit der Pilz in seinem Wachstum gehemmt bleibt. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse lassen jedoch Zweifel an dieser Aussage aufkommen. So wurde bereits 2007 eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, in der nachzulesen ist, dass unter Laborbedingungen gerade im sauren ph-Bereich eine besonders gute Wachstumsrate des Macrorhabdus ornithogaster erzielt wurde (-> Auszug: http://jvdi.org/).
Empfehlenswert ist es, sich bei einer Erkrankung der eigenen Tiere in Foren nach den neuesten Erkenntnissen und Erfahrungen anderer Halter zu erkundigen - z. B. im Krankheitsforum des VWFD.
Eine Unterstützung mit Vitamin - und Mineralpräparaten, sowie mit Lactobazillen ist hilfreich. Leider enthalten die meisten Präparate Zucker. Viele Tierärzte halten es für vertretbar, Zusatzmittel wie Korvimin trotzdem gelegentlich anzubieten.

Fazit:

Die Erkrankung muss kein Todesurteil sein! Es gibt sogar Vögel, bei denen der Pilz nachgewiesen wurde, die aber trotzdem nie krank werden. Allerdings kann man davon ausgehen, dass es für einmal erkrankte Vögel keine echte Heilung gibt. Aber eine Behandlung ist möglich und viele Vögel leben danach lange ohne ernsthafte Symptome.