Allerlei Leckerei

Kolben, Kekse und Knabbereien

Liebe geht durch den Magen – so denken auch viele Halter von Wellensittichen und bieten ihren Vögeln, weil sie ihnen Gutes tun wollen, Knabberstangen, Knusperherzen, Nageglocken und Ähnliches an. Leider kommt es gerade durch diese Liebesbeweise oft zu übergewichtigen Wellensittichen, da die meisten der angebotenen Leckereien aus dem Handel mit viel Zucker versehen sind. Ungünstig sind auch die vielen Zusatzstoffe, wie Backtriebmitteln, Aromen etc. Mit Leckerbissen darf der Wellensittich natürlich verwöhnt werden – aber mit den Richtigen!

Hier vorab einige Grundregeln:

  • Entscheiden Sie sich für Leckerbissen aus der Natur oder Selbstgemachtes. Damit treffen Sie eine gute Wahl. Denn diese Leckereien sind gesünder als die zumeist nur als gesund angepriesenen Leckerchen aus dem Handel.
  • Leckerbissen sind lediglich eine Nahrungsergänzung und sollten immer maßvoll gegeben werden.
  • Werden die Leckereien so angebracht, dass sich die Vögel anstrengen müssen, um sie zu erreichen, verbrauchen sie auch gleich wieder etwas Energie und haben eine interessante und natürliche Beschäftigung.
  • Variieren Sie Leckerbissen - und einige Tage "leckerchenfrei" sollte es auch immer wieder mal geben.

Hier stellen wir einige natürliche Leckerbissen vor:

Hirse- und andere Kolben oder Rispen

Verschiedene Hirsekolben

Rote und gelbe Kolbenhirse
Sie wird von den Wellensittichen gern angenommen und ihre Nährwerte sind besser als ihr Ruf (Protein 11,1 %, Kohlenhydrate 59,8 %, Fett 3,7 %). Nur leider schmeckt sie eben meist so gut, dass die Vögel gern zu viel davon fressen. Von daher sollten Sie auch diesem Leckerbissen rationiern. Während die gelbe Kolbenhirse überall erhältlich ist, wird die rote im Einzelhandel oftmals nicht angeboten. Einige Händler im Internet haben sie im Angebot - und obwohl ihr Preis etwas höher ist, als der der gelben Kolbenhirse, kann sich die Investition lohnen, weil viele Vögel die rote der gelben Kolbenhirse vorziehen

 

TIPP

Achten Sie auch auf das Anbauland! Hier können Sie schon von Anfang an mit einer guten Herkunft und kurzen Lieferwegen punkten. Häufig kann sogar direkt beim Erzeuger im Internet bestellt werden. Schauen Sie sich doch nach dieser Möglichkeit einmal um.

Silberhirserispen
Für Silberhirse gilt ähnliches wie für rote und gelbe Kolbenhirse: Sie gehört zu den mehlhaltigen Sämereien und ist fester Bestandteil vieler Futtermischungen (Fett 3,5 % Eiweiß 11,6 % Ballaststoffe 6,5 %). Silberhirse wird in Rispenform verkauft und wenn sie den Vögeln angeboten wird, fällt es immer wieder auf, wie viel Spaß die Vögel am Erarbeiten der Sämereien haben können. Eine etwas schwierig zu erreichende Rispe spornt sie zu wahren Hochleistungen an und weckt den Kletterkünstler in ihnen. Ein so erarbeitetes Korn dient tatsächlich ihrer Gesundheit und macht das in Gefangenschaft übliche Überangebot an Nahrung ein wenig wett.

Weitere Rispen und Gräser
Einzelne Bestandteile in Futtermischungen werden vom Handel auch in Rispenform angeboten. Zum Beispiel:

  • Amaranth (Fett 9,8 %, Eiweiß 15 %, Ballaststoffe 12 %, Kohlenhydrate 59 %) - nur ganz selten geben, der Fettgehalt ist bereits recht hoch.
  • Hafer (Fett 4,8 %, Protein 11,4 %, Ballaststoffe 19,5 %, Kohlenhydrate 58,3 %)
  • Leinsaat/Flachs (Fett 30,9 %, Protein 24,4 %, Kohlenhydrate 22,3 %) – nicht geeignet für Wellensittiche
  • Weizen (Fett 2 %, Eiweiß 11,4 %, Ballaststoffe 10,4 %, Kohlenhydrate 61 %)

Es werden auch diverse Grassorten (Sudangras, Zuckergras, Delichia, Schelli, Sorghum u. ä.) als Rispe angeboten – die Erfahrungen mit diesen Gräsern sind durchwachsen. Viele Halter berichten, dass ihre Lieblinge die Gräser lieben und stecken die Rispen mit dem Stiel in ein großes Sandgefäß. So entsteht eine naturnahe Graswiese, in der sich ihre gefiederten Freunde austoben. Andere wiederum berichten, dass es eher eine Fehlinvestition war und die Gräser entsorgt wurden.
Es gibt auch Reis in Rispenform - dies ist eine gesunde Alternative mit niedrigem Fettgehalt (unter 3 %) und sehr ballaststoffreich. Doch darf er wegen der hohen Rohfaseranteile nicht zu oft verfüttert werden, denn es können bei übermäßigem, dauerhaftem Verzehr Mangelerscheinungen beim Vogel auftreten.

Gekeimte KolbenhirseGekeimte Kolbenhirse

Kolbenhirse kann auch gekeimt angeboten werden. Durch den Keimvorgang werden die im Samen enthaltenen Fette aufgespalten und so reduziert.
Nach einiger Eingewöhnungszeit nehmen die Wellensittiche die etwas seltsam aussehenden Kolben gerne an.

Wie man die Kolben zum Keimen bringt, ist hier beschrieben: KLICK

Selbst Keimfutter kann als Leckerei angesehen werden. Hin und wieder eine kleine Portion ist absolut in Ordnung.

Frisches aus dem Garten und von der Wiese

Wer Zugriff auf ungespritze Obstbäume hat (Apfel, Kirsche, Birne u.ä.), der sollte zugreifen. Obstbaumzweige jeder Art (auch mit Blüten oder Blättern) werden von den quirligen Australiern gern benagt und entrindet. Den fallenden Blättern zuzuschauen ist für die Wellis stets eine große Freude - besonders wenn sie sich für den "Herbst" verantwortlich zeichnen.
Sie möchten bei Ihren Wellis der Held sein? Bringen Sie ihnen einen Strauß Gräser vom Sommerspaziergang mit. Eine nicht repräsentative Umfrage unter Wellis zeigt: Reife Samenstände heimischer Wildgräser (Knaulgras, Wiesenrispe, Timotheegras, Honiggras u.ä.) sind der Hit bei nahezu allen Wellis.

Auch mal selbst was backenSelbst gebackene Knabberstangen

Kekse und Knabberstangen sollten Sie unbedingt selbst backen. Das geht ganz einfach und ist dann auch kein ungesunder Knabberspaß für Ihre "Flugmonster", die sich bald als "Schreddermonster" erweisen werden, wenn Sie ihnen erstmal die selbstgebackenen Kekse anbieten.
80g Buchweizenflocken
100ml kochendes Wasser
100g Körnerfutter
Die Buchweizenflocken mit dem kochenden Wasser übergießen. Es entsteht ein sehr klebriger Brei. Hierunter dann das Körnerfutter heben.
Diese Masse kann sehr gut geformt werden und bleibt formstabil. Je mehr Wasser man zugibst, umso weicher wird die Masse. Dann kann auch mehr Futter zugegeben werden. Die Kekse können aber entsprechend weniger geformt werden.
Die Masse bei ca. 120 Grad Celsius im Backofen ausbacken.
Tipps:
Mischen Sie auch mal Grit, Heilerde, Bierhefe und / oder Kräuter in den Keksteig.
Je weniger Temperatur, umso schonender - aber dann verlängert sich die Backzeit. Empfehlenswert sind 100-120 Grad Celsius. Das Ausbacken geht sehr gut, wenn man die Kekse nach ca. 75% der Backzeit umdreht. Achtung: Sind sie jetzt noch leicht zu brechen, muss man noch warten, bevor man sie auch von der zweiten Seiten trocknen lassen kann.
Die Kekse sind fertig gebacken, wenn sie nicht mehr weich sind und unter Fingerdruck nicht mehr nachgeben.
Kekse immer sehr gut auskühlen lassen und einzeln in Küchenpapier einschlagen. So halten sie sich ca. 4-6 Wochen im Kühlschrank. Immer wieder gründlich kontrollieren.

Sehr viele weitere Rezepte finden Sie in unserem Forum, zum Beispiel hier: KLICK sowie im Download-Bereich unserer Homepage KLICK

Das Beste zum Schluss: Halbreife Kolbenhirse

Im Internet können Sie ab den Sommermonaten halbreife Kolbenhirse direkt beim Bauern bestellen. Eingefroren steht sie so ganzjährig als Futterergänzung zur Verfügung. Die halbreife Kolbenhirse ist ein wahrer Leckerbissen für Wellensittiche und ihr Fettgehalt liegt unter dem der getrockneten Hirsekolben.
Die halbreife Hirse sollte vor dem Verfüttern vollständig aufgetaut sein und gründlich mit heißem Wasser durchgespült werden.
Halbreife Kolbenhirse kommt der natürlichen Ernährung des Wellensittichs (halbreife/reife Grassamen) sehr nahe und daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Wellensittiche nichts anderes mehr zu sich nehmen wollen, wenn ihnen halbreife Hirse angeboten wird. Doch ein Wellensittich kann nicht von einem Futtermittel allein leben, daher muss auch hier rationiert werden.
Halbreife Kolbenhirse eignet sich auch bei kranken Vögeln, da sie leicht verdaulich ist und das Zerreiben der Körner wenig Mühe macht. Daher ist es absolut empfehlenswert sich einen Vorrat davon anzulegen.

ACHTUNG

Was der Handel anpreist ist nicht immer optimal. Beispielhaft noch folgende zwei "Leckereien":

Kochfutter
Im Handel gibt es spezielle Futtermischungen, die als Kochfutter zubereitet werden. Das bedeutet: Die Körner werden nach Herstellerangaben gegart. Kochfutter kann eine gute Möglichkeit sein, um kranke Tiere über den Berg zu bringen, und von daher kann es sinnvoll sein, bereits gesunde Tiere an dieses Futter zu gewöhnen. Darüber hinaus bietet Kochfutter jedoch keinerlei Benefit und sollte für einen gesunden Wellensittich nicht auf dem Speiseplan stehen.

Eifutter

Mancher Wellensittichbesitzer kommt nicht nur mit einem Wellensittich aus dem Einzelhandel nach Hause, sondern auch mit einer Tüte Eifutter. Das sei die Nahrung, die ein junger Wellensittich benötige. Diese Aussagen sind falsch. Futterfeste Wellensittiche fressen und vertragen das ganz normale Körnerfutter. Nur zu jung angebotene Tiere können dieses noch nicht fressen. Einzig die Elterntiere (oder ein vogelkundiger Tierarzt) könnten da helfen. Wer kein Körnerfutter fressen kann, der kann noch weniger das ungesunde Eifutter vertragen. Denn Eifutter versorgt Ihr Tier mit tierischen Eiweißen, die der Wellensittich nicht gut verdaut und welche zu Nierenproblemen und Gicht führen können. Also gilt generell: Hände weg vom Eifutter – auch wenn es der Handel und Züchter anpreisen.

BEI ALLER LIEBE

Nahrung im Überfluss läutet bei Wellensittichen die Brutsaison ein. Beachten Sie diesen Grundsatz unbedingt und rationieren Sie das Überangebot an Futter und Leckerchen sobald Sie bemerken, dass Ihre Tiere brutig werden - die Hennen bekommen dann eine braune Schnabelhaut, das Paarverhalten wird intensiver und die Tiere werden gern auch mutiger, weil sie geeignete Brutmöglichkeiten suchen.
Es gibt keine Regel, was Übermaß ist und was nicht. Manche Halter dürfen kaum Frischkost verfüttern, andere bieten nahezu ohne Unterlass Kolbenhirse etc. an ohne dass es zu Zwischenfällen kommt. Was für Ihren Schwarm zutrifft müssen Sie selbst herausfinden. Lassen Sie sich nicht in Versuchung führen "nur einmal brüten zu lassen". Das ist unter Umständen ein schwieriges und riskantes Unterfangen, welches schon manche Hennen und Küken mit dem Leben bezahlt haben.

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