Des Wellis neue Kleider

Zwei- bis dreimal im Jahr findet beim Wellensittich der Gefiederwechsel, auch Mauser genannt, statt. Dies ist ein natürlicher Prozess und keine Erkrankung. In der freien Natur wird ein Gefiederwechsel durch ein reiches Angebot an Nahrung ausgelöst. In Gefangenschaft passt sich der Gefiederwechsel häufig den Witterungsbedingungen an. So wechseln viele Tiere zu Beginn der Heizperiode ihr Gefieder sowie erneut im Frühling, wenn auch unsere Natur signalisiert, dass ein neuer Lebenszyklus beginnt.

Die Federn des Wellensittichs sind einerseits zur Fortbewegung und zum Fliegen da, andererseits aber auch für die Regulierung der Körpertemperatur wichtig. Damit die Federn ihre Funktionen beibehalten, werden das Groß- sowie das Kleingefieder erneuert. Hierbei verliert der Vogel jedoch nicht alle Federn auf einmal, sondern nach und nach, wodurch die Flugfähigkeit erhalten bleibt.
Während die neue Feder wächst, ist sie von einer dünnen, weiß-durchsichtigen Hülle, der Federscheide, umgeben. Der nachwachsende Federkiel ist stark durchblutet und hat daher eine blassrosa Farbe. Ist das Längenwachstum abgeschlossen, öffnet sich die Feder von der Spitze zum Körper hin, die dünne Hülle fällt ab und es sind Schuppen im Gefieder zu erkennen. Viele, auch gesunde Wellensittiche, sehen in der Zeit teilweise ziemlich „stachelig“ aus, bei einigen können sich sogar kleine kahle Stellen, vor allem im Kopfbereich bilden. Die Vögel putzen und schubbern sich in dieser Zeit vermehrt. Ist die Neubildung abgeschlossen, wird die Feder nicht mehr durchblutet. Zur Pflege der Federn, reibt sich der Wellensittich mit einer ölhaltigen Substanz, die er aus der Bürzeldrüse erhält, sein Gefieder ein.
Da die Mauser für die Wellensittiche eine anstrengende Zeit ist und durchaus auch mehrere Wochen dauern kann, sollten Sie Ihren gefiederten Mitbewohner in dieser Zeit besondere Pflege zukommen lassen. Besonders ältere oder chronisch kranke Wellensittiche sind teilweise wesentlich ruhiger und schlafen vermehrt während der Mauser. 

Unterstützung während der Mauser

Besonders wichtig ist die Versorgung mit genügend Vitaminen und Mineralstoffen durch eine ausgewogene Ernährung. Neben Körnerfutter sollten dem Wellensittich vermehrt Gemüse und Grünfutter zur Verfügung stehen – das gilt natürlich auch außerhalb der Mauserzeit. In größeren Mengen wird für die Gefiederbildung Kieselsäure benötigt, die beispielsweise in Gurke, Wegerich oder Vogelmiere vorkommt. 
Während des Federwechsels kann unter Umständen allein diese natürliche Versorgung mit Vitaminen & Co. nicht ausreichen. Ihr vogelkundiger Tierarzt steht Ihnen hier gerne mit Rat und Tat zur Seite, wie Sie Ihren mausergeplagten Lieblingen unterstützen können.
Manche Wellensittiche verlieren im Verlauf der Mauser an Gewicht. Hier können Sie mit der Fütterung von besonderen Leckerbissen wie Nackthafer, Quell- oder Keimfutter sowie zusätzlicher halbreifer Hirse (die zudem noch reich an Vitaminen und Nährstoffen sind) entgegen wirken. Auch über Kolbenhirse oder selbst gebackene Wellikekse freuen sich die mausernden Mitbewohner. 
Neben der Ernährung wirkt sich die Umgebung des Wellensittichs unterstützend auf die Mauser aus. Dazu zählen eine optimale Luftfeuchtigkeit, die etwa bei 60% liegt sowie eine ausreichende Versorgung der Vögel mit UV-Licht, beispielsweise durch eine spezielle Vogellampe. Während des Gefiederwechsels nehmen einige Vögel gerne ein Bad oder werden gerne mit einer Sprühflasche angesprüht. Wenn Sie Bademuffel haben, versuchen Sie es doch mal mit nassem Möhrengrün oder einem Kräuterstrauß. So manch ein Wellensittich wird dabei zur Badenixe.

Besonderheiten

Stockmauser

Während der Mauser kann es passieren, dass an manchen Stellen entweder die Federn nicht richtig nachwachsen, sodass der Wellensittich etwas "gerupft" aussieht, oder dass die Federn sich nicht aus ihren Hüllen befreien. Hier kann ein Mangel an Nährstoffen/Vitaminen vorliegen, der unbedingt behoben werden sollte. Zusätzlich wäre es ratsam, beim vogelkundigen Tierarzt abzuklären, ob eine Erkrankung der inneren Organe vorliegt, denn Stoffwechselstörungen können auch zu einem verzögerten Federwuchs führen.

Schockmauser

Die Schockmauser dient zum Schutz eines Wellensittichs in Gefahrensituationen. Hierbei verliert der Wellensittich verhältnismäßig viele Federn auf einmal innerhalb kürzester Zeit. Dies verhilft ihm in der Natur zur Flucht vor Angreifern.
Es kann schon einmal vorkommen, dass das Einfangen des Wellensittichs mit den Händen, beispielsweise beim Tierarzt oder bei der Gabe von Medikamenten, zu einer Schockmauser führt. Dann hält man anstatt des Vogels nur Federn in der Hand. Beim Abwurf der Federn hat der Wellensittich jedoch keinerlei Schmerzen und die Federn wachsen in aller Regel wieder nach.

Sonstiges

Ein Umgebungswechsel (z. B. Umzug) sowie auch eine Haltungsveränderung (z. B. verändertes Futter oder andere Lichtverhältnisse) wird von manchen Wellensittichen als Stress empfunden und kann eine Mauser auslösen. 

Eine lange, schwere Erkrankung führt häufig zu Mangelerscheinungen, da der Körper unter Umständen die aufgenommenen Inhaltsstoffe nicht verwerten konnte oder der Vogel keinen Appetit hatte und die aufgenommene Nahrung nur zum Überleben reichte. Sobald es dem Tier besser geht und Nährstoffe wieder im Überfluss aufgenommen und vorhanden sind, ist dies oft der Beginn einer Mauser. Achten Sie in diesem Fall besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, damit es nicht erneut zu Mangelerscheinungen kommt oder zu viel Energie durch die Mauser verloren geht.

Hinweis

Ungewöhnlich ist es, wenn Tiere über mehrere Tage hinweg nicht fliegen können, kahle Stellen über zwei bis drei Wochen keine neuen sprießenden Federn zeigen oder gleich mehrere Federn tagelang in der Hülse stecken bleiben. Auch wenn das neue Gefieder splissig ist oder neue Federn gleich wieder ausfallen.
In diesen Fällen ist es wichtig, dass Sie schnell einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, der Ihren Vogel gründlich untersucht. Da es sich hierbei nicht nur um eine durch die Mauser in Erscheinung getretene Gefiedererkrankung sondern auch um eine weitere, zum Teil schwerwiegende, Erkrankung handeln kann die schnell behandelt werden muss.

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