Meine Henne will Eier legen, was kann ich tun?

In der Regel kennen Sie Ihre Wellensittiche am Besten und erkennen schnell Veränderungen im Verhalten der Tiere. Sollten Ihnen ungewöhnliche Verhaltensweisen auffallen, wie das plötzliche Interesse an dunklen oder ruhigen Ecken oder auch an ungewöhnlichen Gegenständen, wie der Handtasche, können dies Zeichen für eine gesteigerte Brutlust sein.

Von daher ist es immer ratsam, ein aufmerksames Auge auf Ihre Mitbewohner zu haben und auffälliges Verhalten, wie das plötzliche Interesse an dunklen Ecken, misstrauisch zu beobachten und frühzeitig einzuschreiten, in dem Sie diesen Orten die Attraktivität nehmen. Oft erkennen Sie eine gesteigerte Brutlust auch an der Nasenhaut, die dann bei der Henne oft einen kräftigen Braunton annimmt.

Erste Hilfe bei gesteigerter Brutlust

Eine gesteigerte Brutlust können Sie durch Veränderung der Haltungsbedingungen eindämmen. 
Es ist ratsam, die Tageslichtdauer etwas einzuschränken sowie zusätzliche Tageslichtquellen (z. B. eine UV-Lampe für Vögel) nur wenige Stunden eingeschaltet, am besten aber ganz abgeschaltet zu lassen.
Eine Futterumstellung ist sehr wichtig. Grünfutter, halbreife Hirse und Keimfutter regen aufgrund ihres hohen Proteingehalts die Brutlust an, Sie sollten deshalb in einer solchen Phase ganz darauf verzichten und nur Grundfutter, evtl. entsprechend reduziert, anbieten. Bei diesen Maßnahmen müssen Sie natürlich immer den gesamten Schwarm sehen. Sind kranke Tiere (z. B. mit einer Megabakteriose) im Schwarm, sollten Sie die Nahrungsreduzierung mit Ihrem vogelkundigen Tierarzt besprechen.
Bitte schauen Sie sich genau im Vogelheim nach versteckten Nistmöglichkeiten um. Die Wellensittichpaare sind hier sehr erfinderisch, so dass auch Kissenhöhlen und der Zeitungsständer zu potenziellen Nistplätzen werden und die Brutlust antreiben.

Ungewollte Eier

In der Regel legen Wellensittiche ohne angebotenen Nistkasten keine Eier. Dennoch kann es vorkommen, dass die eine oder andere Wellensittichdame auf diese Regel pfeift und auch ohne angebotene Nistmöglichkeit anfängt Eier zu legen. Hennen die brüten wollen, suchen sich an jeder erdenklichen Stelle eine Nistmöglichkeit. Hierzu gibt es in unserem Forum wie auch im Internet sehr interessante Erfahrungsberichte. 
In den einfachsten Fällen, lassen sie die Eier einfach von der Stange aus herunter fallen oder legen die Eier auf den Boden. Es kann aber auch vorkommen, dass Sie die brütende Henne im ganzen Vogelzimmer suchen, um sie dann an der unmöglichsten Stelle (z. B. im Bücherregal oder zwischen den Futterbehältern) zu finden.

Was tun? Ausbrüten lassen oder die Eier sterilisieren?

Das Erste und auch noch das zweite gelegte Ei können Sie der Henne ohne Probleme wegnehmen. Oft löst sich dadurch das Problem von ganz alleine und sie legt keine weiteren Eier mehr. Gleichzeitig muss aber auch der gewählte Nestersatz entfernt, bzw. unzugänglich gemacht werden, da sonst das Ganze von vorne anfängt.
Folgen dennoch weitere Eier, sollten Sie die Eier sterilisieren. Wichtig ist, dass Sie die Eier nicht mehr einfach so entfernen, denn dann kann es passieren, dass die Henne immer weiter nachlegt, um ihr Gelege zu vervollständigen. Dies ist durch die Natur so vorgegeben. 
Wie Sie sich sicher vorstellen können, ist dieser Vorgang für die Henne sehr anstrengend und kräftezehrend und kann im schlimmsten Fall zu einer Legenot führen. Dies ist eine sehr ernst zu nehmende Komplikation und das Tier muss unverzüglich einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden, da eine Legenot sehr oft tödlich endet.

Legt die Henne erneut Eier, sollten diese in einen Nistkasten gegeben werden. Hier haben Sie eine bessere Kontrolle über das Gelege, können die Eier übersichtlicher sterilisieren und austauschen. Auch das Entfernen des aufgegebenen Geleges ist einfacher zu handhaben.

Die Eier ausbrüten lassen

Die Entscheidung, die Eier ausbrüten zu lassen, sollte gut überlegt sein. Auch wenn Sie nur einmalig mit Wellensittichen züchten möchten, sollten Sie sich vorher ausführlich informieren, da bei einer Brut zahlreiche Probleme auftreten können. Mit einer unvorbereiteten Brut riskiert man die Gesundheit, wenn nicht sogar das Leben der brütenden Henne und ihrer Küken.
Da eine Henne normalerweise drei bis acht Eier legt, sollten Sie sich vor der Zucht immer Gedanken darüber machen, ob die Küken alle bleiben können, falls Sie sie nicht in ein artgerechtes Zuhause vermitteln können.

Wir möchten hier eindringlich von einer Brut abraten. Es ist ein großes Fachwissen sowie eine Menge Zeit nötig und es können diverse, schwerwiegende Probleme auftreten, die das Leben Ihrer Henne und die der Küken gefährden kann.

Die Eier sterilisieren und / oder austauschen

In den ersten beiden Tagen nach dem Legen befinden sich im Ei lediglich der Dottersack und das Sperma. Erst danach entwickeln sich die ersten Adern und etwa ab dem fünften Tag können Sie ein Herzchen schlagen sehen. Aus diesem Grund müssen die Eier am Tag des Ablegens, spätestens aber am darauf folgenden Tag sterilisiert werden. Möchten Sie verhindern, dass Küken schlüpfen und handeln rechtzeitig, müssen Sie keine Gewissensbisse haben.
Es gibt mehrere Methoden die Eier zu sterilisieren:

→Abkochen

Sie können die Eier abkochen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass das Wasser auch wirklich kocht. Die so behandelten Eier sollten, bevor sie zurück in den Kasten gelegt werden, mit einem Stift gekennzeichnet werden, damit Sie nicht versehentlich ein frisch gelegtes Ei übersehen.

→Austauschen

Eine andere Möglichkeit ist es, die Eier durch Plastikattrappen auszutauschen. Diese sind im Zoofachhandel erhältlich. Die Kunststoffeier haben oftmals scharfe Kanten durch die Schweißnähte, die sie aber leicht mit einer kleinen Feile abschleifen können und dies auch machen sollten, da die Hennen nicht so gerne auf scharfen Kanten sitzen. Der Größenunterschied zwischen den künstlichen und den echten Eiern stört die Henne in der Regel nicht. Alternativ können auch Plastikeier für Kanarienvögel untergelegt werden. Das ausgetauschte Ei sollte nur zerstört entsorgt werden, denn auch ohne das Bebrüten der Henne kann sich Leben im Ei bilden. Gerade zu Beginn ist für die Entwicklung des Kükens nur eine geringe Wärme nötig. 
Von Methoden wie das Anstechen der Eier kann nur abgeraten werden, da dies nicht sicher ist und sich teilweise trotz des Anstechens ein Embryo entwickelt. Auch kann es vorkommen, dass das Ei von Innen verfault.

Sie können die Eier also bebrüten lassen und trotzdem dafür sorgen, dass keine Küken schlüpfen. Das sterilisierte oder künstliche Gelege darf erst entfernt werden, wenn die Henne es aufgibt und verlässt.
Da das Eierlegen für die Henne sehr kräftezehrend ist, muss, gerade in dieser Zeit, die Vitamin-und Mineralstoffzufuhr gewährleistet sein. Vitaminpräparate sollten über Trinkwasser oder Grundfutter zugegeben werden. Eine Gabe von Kalk in Form von Kalksteinen oder Sepiaschalen* ist ebenfalls von Nöten, um einem Windei und/oder einer Legenot weitestgehend vorzubeugen. Auch eine Temperatursenkung ist ratsam, soweit das natürlich möglich ist. Bitte beraten Sie sich hierzu auch mit Ihrem vogelkundigen Tierarzt über weitere unterstützende Maßnahmen.

Übersteigerte Brutlust - wann zum Arzt?

Sollte die Henne trotzdem immer wieder Eier legen, können Sie einen Tierheilpraktiker oder einen vogelkundigen Tierarzt zu Rate ziehen. Es gibt sehr gute homöopathische Mittel gegen übersteigerte Brutlust.
Haben die Maßnahmen keinen Erfolg und die Henne wird langsam schwächer oder die Gefahr einer Legenot wird immer größer, kann eine Hormonbehandlung helfen.
Wenn eine Henne schon in Lebensgefahr schwebt oder eine Legenot bereits eingetreten ist, gibt es als letzte Möglichkeit die Legedarmentfernung. Diese Operation ist, wie jeder Eingriff, immer mit einem Risiko verbunden. In den meisten Fällen aber verkraften die Hennen das sehr gut.

Diese Behandlungsformen müssen im Vorfeld sehr sorgfältig mit einem vogelkundigen Tierarzt abgesprochen werden.

*Sepiaschalen bieten eine sehr reine und hochwertige Calciumquelle. Häufig ist zu lesen, dass diese jedoch im Verdacht stehen Legenot auszulösen. Dies ist wissenschaftlich weder zu belegen noch zu erklären. Solche Aussagen spiegeln die Erfahrung und Einschätzungen von Privatzüchtern wieder.

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