My home is my castleWellensittch sitzt vor einem Spielzeugschloss

Ein guter Käfig ist wohl mit die wichtigste Anschaffung für die Wellensittichhaltung. Denn der Käfig ist für die Vögel ein Rückzugsort, der ihnen Schutz und Sicherheit sowie möglichst viel Komfort und Bewegungsfreiraum bieten soll. Leider erfüllen nicht alle im Handel erhältlichen Käfigmodelle diese Anforderungen. Sich im Vorfeld gut zu informieren und genügend Zeit in Auswahl und Kauf des Käfigs zu stecken, lohnt sich. Vermutlich werden Sie dabei feststellen, dass gute und geeignete Käfige meist etwas teurer in der Anschaffung sind als solche, die nicht alle Kriterien erfüllen. Nach unseren Erfahrungen lohnt es sich aber, gerade beim Kauf des Käfigs nicht zu sparen, da dieser eine Anschaffung für einen langen Zeitraum ist. Ein Tipp: Schauen Sie die verschiedenen Kleinanzeigenmärkte und Vogelforen durch. Manchmal findet man hervorragende Modelle zu einem echten Schnäppchenpreis.

Ganz allgemein lässt sich über den geeigneten Käfig sagen, dass es ein "zu groß" nicht gibt. Die kleinen Australier sind ursprünglich in den Weiten der australischen Savannen beheimatet, wo sie täglich bis zu 100 km auf der Suche nach Futter und Wasser zurücklegen. Auch wenn unsere Hauswellensittiche diese Leistung sicherlich nicht mehr erbringen können, so haben sie doch ein ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis, dem wir Rechnung tragen müssen. Wichtig ist daher, den Käfig so zu wählen, dass er breit genug ist, um den Sittichen auch kleinere Flugdistanzen zu ermöglichen. Denn selbst wenn Sie Ihren Vögeln einen ganztägigen Freiflug gewähren, so kann es doch mal notwendig sein, sie für einige Stunden im Käfig zu belassen.

Die wichtigsten Eckdaten vorab:

  • Käfigbreite: Mindestens 80 cm (für bis zu 4 Vögel bei ganztägigem Freiflug)
  • Form: rechteckig, optimal breiter als hoch
  • Gitter: waagerecht verlaufend, dunkel und nicht glänzend, Abstand max. 13 mm, nicht gesundheitsschädlich
  • Unterkonstruktion: Schrank oder Rollwagen, Käfig auf Augenhöhe

Die Mindestbreite beträgt 80 cm

In Fachliteratur und Internet finden sich unterschiedliche Informationen, welche Maße die richtigen sind, und die dann auch noch in unterschiedlichen Foren kontrovers diskutiert werden. Aus Sicht des VWFD e. V. sollte der Fokus auf einen praxistauglichen Umgang gelegt werden. Nach Meinung der meisten Vereinsmitglieder ist die Käfiggröße immer auch im Bezug zum Freiflugangebot [Link zu Freiflug] zu sehen. 

Ist ein ganztägiger Freiflug gewährleistet, so kann für ein bis zwei Pärchen ein Käfig mit einer Grundfläche von 80 cm x 50 cm und eine Höhe von 80 cm Mindestgröße als akzeptabel angesehen werden. Viele der im Handel erhältlichen Käfige, die auch alle anderen Bedingungen erfüllen, weisen eine Käfigbreite von 80 bis 90 cm auf, so dass Sie hier sicherlich einige Auswahlmöglichkeit haben.

Wenn Sie allerdings mehr Platz für den Käfig erübrigen können, oder schon eine mögliche spätere Aufstockung des Schwarms in Erwägung ziehen, ist es sicherlich sinnvoll, gleich nach größeren Modellen Ausschau zu halten. Ihre Sittiche werden es Ihnen danken.

Sollten Sie allerdings nur sehr eingeschränkt Freiflug anbieten können, dann brauchen Wellensittiche einen deutlich größeren Käfig, besser noch eine Voliere oder ein eigenes Vogelzimmer [Link], damit sie ihren Bewegungsdrang ausleben können.

Schlichte, rechteckige Form

Auch wenn es für uns Menschen von Design vielleicht etwas langweilig anmutet, so ist eine schlichte, rechteckige Käfigform in jedem Fall die beste. Kleine Türmchen, Aufbauten oder geschwungene Dächer sehen möglicherweise interessanter aus, aber meist können die Vögel, die ja die eigentlichen Nutzer sind, nur wenig damit anfangen. Ein gerades Käfigdach bietet zudem den Vorteil, dass sich darauf Spielplätze installieren lassen, und die Vögel dies automatisch als Anflugsmöglichkeit für ihren Freiflug nutzen.

Was ist eigentlich von Aussagen zu halten, dass ein Käfig breiter als hoch sein soll? Bedeutet das, dass ein hoher Käfig immer schlecht ist? 
Das heißt das ganz gewiss nicht. Solche Aussagen sind meist darauf zurückzuführen, dass Wellensittiche üblicherweise horizontal fliegen. Daher ist die Breite des Käfigs zunächst das wichtigste Kriterium, wenn sie ausreichend Platz zum Fliegen haben sollen. Aber selbstverständlich ist an einer hohen Käfighöhe nichts auszusetzen, so lange die Breite dazu ein einem proportional angemessenen Verhältnis steht. Bei einem Käfig ab einer Breite von 100 cm ist eigentlich jede Höhe ab 80 cm und mehr angemessen.

Ein ungünstiges Verhältnis haben hingegen Käfige, die eine recht geringe Breite von vielleicht 60 cm aber dafür eine hohe Höhe von 200 cm haben. Vom Volumen her klingt das ja ganz gut, das Problem ist aber die zu geringe Breite. Manchmal werden solche Käfige manchmal auch Turm- oder Hubschraubervolieren genannt, letzteres weil ein Wellensittich wie ein Hubschrauber senkrecht starten und fliegen müsste, um das angebotene Raumvolumen wirklich nutzen zu können. Da das aber nicht der Fall ist, bietet ihnen dieser Käfig zu wenig Strecke zum Fliegen, weshalb wir von solchen Käfigformen abraten.

Absolut tabu und tierschutzwidrig sind runde Käfige, da sie den Vögeln die Möglichkeit zur Orientierung nehmen und es darin zudem keine Ecken als Rückzugsmöglichkeiten gibt. 

Obere Sitzgelegenheiten auf Augenhöhe

Manchmal ist zu lesen, dass Wellensittiche den Boden nicht nutzen und daher Käfige keine so hohe Höhe benötigen. In freier Wildbahn suchen sich die Sittiche ihr Futter aber durchaus auf dem Boden, weshalb sich auch unsere Hauswellensittiche von Zeit zu Zeit dort aufhalten. Nur ist der Boden für Vögel meist ein Ort, der mit Risiken verbunden ist, weil sie dort leichter gefangen werden können. Daher fliegen sie schon bei dem geringsten Anzeichen von Gefahr auf und suchen sich einen höher gelegenen Platz. 

Der höchste für Vögel erreichbare Platz im Käfig sollte ungefähr auf Augenhöhe ihres Halters liegen. Das bedeutet, dass ein Käfig, der diese Höhe nicht selbst mitbringt, auf ein Möbelstück gestellt werden muss, um diese Höhe zu erreichen. Ein Lösung für solch einen Unterbau kann zum Beispiel eine breite Kommode sein, die neben einer komfortablen Stellhöhe auch noch viel Platz für alle Vogelutensilien bietet.

Der Boden des Käfigs sollte hingegen besser nicht direkt auf dem Fußboden aufliegen, da sich so Schwingungen von Gehen der Menschen direkt auf den Käfig übertragen können. Vögel haben in ihren Füßen Rezeptoren, mit denen sie solche Schwingungen aufnehmen können. In der Natur warnt sie das vor heranschleichenden Jägern. Daraus folgt, dass unbekannte Resonanzen bei unseren Hauswellensittichen für Stress sorgen können. Daher ist es besser, wenn der Käfigboden einen kleinen Abstand von mindestens 20 cm zum Fußboden hat. Der Abstand könnte aus Vogelsicht natürlich auch geringer sein, aber hin und wieder wollen wir Menschen unter dem Käfig ja auch saugen oder wischen und da müssen wir es uns ja nicht schwerer als nötig machen.

Waagrechtes Gitter mit maximal 13 mm Strebenabstand

Die Abstände der einzelnen Gitterstreben sollten zwischen 10 und 13 mm betragen, so dass auch die zierlichen Wellensittichköpfe nicht hindurchgesteckt werden können. Achten Sie bitte besonders bei größeren Käfigmodellen auf den Gitterabstand, dass er nicht zu groß ist. Große Käfigmodelle werden oft an den Bedürfnissen größerer Sittiche wie Nymphensittiche oder Papageien ausgelegt und können dann einen für Wellensittiche gefährlich großen Gitterabstand aufweisen. 

Gesunde Wellensittiche sind wie die meisten Papageienvögel gute Kletterer, die problemlos auch an geraden Gitterstreben hoch und runter klettern können. Da sie aber auch ein Handicap entwickeln können, sind waagrechte Gitterstäbe bei Käfigen die bessere Wahl, weil sie behinderten Vögeln das Klettern erleichtern. 

Dunkle, nicht glänzende Gitterfarbe

Dunkle oder gedeckte Farben sind hellen Farben vorzuziehen, weil sie für die Augen der Tiere angenehmer sind. Weiße oder auch stark glänzende Verstrebungen blenden sehr und sollten daher vermieden werden.

Nicht aus gesundheitsgefährdendem Material

Die nagefreudigen Wellensittiche beknabbern gern alles, was ihnen unter den Schnabel kommt. Und dazu zählt auch das Käfiggitter. Daher ist hier genauso wie bei allen anderen Materialien, mit denen sie in Kontakt kommen, auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit zu achten. 

Mit Kunststoff ummantelte Gitter sollten Sie vor dem Kauf eingehend prüfen, wie stabil und fest sich der Kunststoff anfühlt. Wenn er schon auf den Druck eines Fingernagels reagiert, dann ist er für Wellensittichschnäbel definitiv ungeeignet. Aber selbst wenn er im Geschäft einen stabilen Eindruck macht, so mussten viele Halter später die Erfahrung machen, dass die Kunststoffbeschichtung nicht sehr langlebig ist und nach einigen Jahren eben doch abblättert. Wenn dann noch der Käfig zu rosten anfängt, gehört er schleunigst entsorgt, da Rost für unsere gefiederten Freunde nicht gesund ist.

Bei Käfigen mit Metallbeschichtung sollten diese unbedingt frei von Schwermetallen und Zink sein. Fragen Sie in jedem Fall nach, wenn es am Modell nicht ausgeschrieben ist, denn durch Käfige verursachte Vergiftungen kommen meist schleichend und zeigen unterschiedliche Symptome, so dass sie nur schwer zu identifizieren und betroffene Vögel nicht einfach zu behandeln sind.

Manche Hersteller garantieren eine zinkfreie Pulverbeschichtung und können dies auch durch Prüfprotokolle belegen. Solche Modelle sind bei vielen Haltern im Einsatz, allerdings sollten diese dann regelmäßig die Unversehrtheit der Beschichtung überprüfen, denn meist ist das darunter liegende Metall eben doch belastet. Bei Schäden an der Beschichtung kann ein solcher Käfig wiederum zum Gesundheitsrisiko werden.

Wer hundertprozentig sicher sein will, investiert in eine langlebige und schadstofffreie Edelstahlvoliere. Leider sind diese relativ selten zu finden und meist recht teuer. 

Türen und Sonderausstattungen

Achten Sie bei den Türen darauf, dass Sie durch die Türen gut alle Ecken des Käfigs erreichen können. Schließlich werden Sie den Käfig von Zeit zu Zeit putzen oder auch mal neu ausstatten wollen. Wichtig ist auch, auf einen guten Schließmechanismus zu achten, damit die Türchen nicht von den neugierigen gefiederten Bewohnern versehentlich geöffnet werden können. 

Manche Käfige bieten auch zusätzliche Ausstattungen an, die in nur in seltenen Fällen sinnvoll und oft sogar gefährlich sind. Für Näpfe oder Sitzstangen aus Kunststoff gibt es im Fachhandel meist sehr viel bessere Alternativen wie zum Beispiel Tonschalen und Edelstahlnäpfe fürs Futter oder echte Naturholzäste als Sitzstangen.
Von außen einhängbare Futternäpfe scheinen auf den ersten Blick für den Vogelhalter vielleicht ganz praktisch, können für die kleinen Sittiche aber gefährliche Fallen sein, in denen sie stecken bleiben, wenn sie neugierig hineingeklettert sind.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok