Grausam entstellt und verwahrlost -

Milbenopfer Joy & Ninja

Ein Erfahrungsbericht von VWFD-Mitglied Michaela U.
Im April 2019

 

Joy & Ninja sind in einem schlimmen Zustand

Ich las in einem Kleinanzeigenportal unter "Zu verschenken" den Text: "Kann jemand den Welli abholen und zum Tierarzt bringen? Habe kein Auto ..." Dann sah ich mir die dazugehörigen Bilder an und wollte den armen Welli da irgendwie herausholen. Der Standort war leider recht weit weg. Da ich am nächsten Tag sowieso mit dem Auto unterwegs war, nahm ich Kontakt auf und bin dann mit einen "Schlenker" von ca. neunzig Kilometern nach Hause gefahren - mit zwei Wellis und tausend Emotionen im Gepäck ... denn was ich dort gesehen habe, das hat mich wirklich zutiefst getroffen.

Ich wurde zu einer "Außenvoliere" (einem verdrahteten kleinen Holzschuppen) gebracht. Die Wellidame, wegen der ich dorthin gefahren war - ich habe sie jetzt "Joy" genannt - gab ein sehr trauriges Bild ab. Sie saß in einem separaten Käfig, der auf dem Boden stand. Sie hat einen schon deutlich ausgebrochenen Grabmilbenbefall und das Köpfchen ist von einer dicken Schorfkruste bedeckt. Die Augen sind geschwollen und entzündet und die Wachshaut ist verletzt. Joy sitzt sehr breitbeinig und hat einen Pendelkropf. Sie ist flugunfähig, ihr fehlen die Schwung- und Schwanzfedern.

Die "Voliere" war unbeschreiblich schmutzig, mit zentimeterdickem Unrat und Kot. Die Futter- und Wassernäpfe waren voller Exkremente, Dreck und Futterreste, das Wasser war braun mit Schlick und Algen durchsetzt. Auf dem Boden stand eine Tüte mit billigstem Supermarktfutter. Und in diesem ganzen Dreck hing der Brutkasten: Es werden Wellis "Zu verschenken" dort hineingesetzt, sie vermehren sich und werden verkauft. Ich fand das alles einfach nur schockierend!

Zwischen den anderen Wellis entdeckte ich dann noch eine Henne - sie heißt jetzt "Ninja" - bei der der Grabmilbenbefall ebenfalls schon deutlich sichtbar war. Ich konnte erreichen, dass ich auch Ninja - kostenlos - mitnehmen durfte.

Der junge Mann und die Familie waren sehr nett und freundlich zu mir. Sie sind sich dessen, was sie da tun, überhaupt nicht bewusst - und verstehen es aber leider auch überhaupt nicht. O-Ton: "Wieviel bezahlst Du denn jetzt für den Tierarzt? Wenn man die Vögel verkauft verdient man doch etwas ..."

Am nächsten Tag in der Vogelklinik:
Zu Ninja gibt es nicht so sehr viel zu berichten: Sie hat Grabmilben und hatte ein Ei im Bauch, welches sie glücklicherweise schon auf der Heimfahrt in die Transportbox gelegt hat.

Und jetzt zu Joy - die Kleine hat ganz bewusst einen "positiven" Namen bekommen ...

Bilder der VerletzungenBilder der VerletzungenBildmaterial zeigt Verletzungen

Am Köpfchen kann man momentan nichts weiter machen, als pflegen, pflegen und nochmal pflegen. Die Kruste abtragen geht so jetzt nicht, da darunter schon direkt die Schädelplatte liegt. Je nach Heilungsverlauf muss das gegebenenfalls später noch operativ versorgt werden. Eventuell wird die Haut, die jetzt gar nicht vorhanden ist, zusammengezogen und vernäht. Aber das ist ferne Zukunft, und da müssen wir überhaupt erst einmal hinkommen. Die Milben sind klar, der Pendelkropf auch.

Das sind "Äußerlichkeiten" - nun zu Joys "Innenleben:

Ihr Unterbauch fühlte sich "nicht gut" an, der Tierarzt konnte aber nicht sagen, ob das vom Legedarm ist, oder eine riesige Leber, die alles nach unten drückt, oder ein Tumor. Also wurde Joy geröntgt: Sie hat ein kaputtes Ei im Legedarm, welches sich schon zu einem großen "Steinei" entwickelt hat und operativ entfernt werden muss. Außerdem sind auf dem Röntgenbild Arthrosen und "leuchtende" Knochen zu sehen - eine "PH-Henne" (Polyostotische Hyperostose).

Ob Joys Schwung- und Schwanzfedern wieder nachwachsen, oder ob sie PBFD hat, lässt sich jetzt noch nicht sagen, das müssen wir einfach abwarten. Auch Chlamydien (Psittakose) stehen hier leider im Raum - ich hoffe, dass ich da ganz schnell einen negativen Bescheid bekomme.

An dieser Stelle sage ich ein ganz großes "DANKE" an den Vorstand des VWFD e. V., der in diesem Fall sofort die Übernahme der beiden Wellis angeboten hat - und so sind Joy und Ninja jetzt als "VWFD-Pflegis" bei mir. Neben der emotionalen Belastung ist in einem solchen Fall auch der finanzielle Aspekt nicht zu unterschätzen, denn schon der erste Tierarztbesuch war sehr teuer - und für Joy ist jetzt erst mal die Legedarm-Operation geplant. Auch wird sie mit Sicherheit noch weitere Tierarztbesuche und wahrscheinlich auch noch die Operation an ihrem Köpfchen vor sich haben.

Bevor sich jetzt vielleicht der eine oder andere fragt, ob das alles so richtig ist, oder man Joy doch lieber erlösen lassen sollte: Diese Henne strahlt trotz allem so unglaublich viel Energie und Lebenswillen aus, dass sie jede Chance auf ein glückliches Leben im Schwarm bekommen wird. Das hat sie einfach verdient.

Notfälle wie diese sind sehr kostspielig. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die vor Ort immer wieder bereit sind einzugreifen und zu helfen - doch die privaten finanziellen Möglichkeiten sind bei den meisten auch begrenzt. Um auch weiterhin so helfen zu können, ist der VWFD e. V. auf Spenden angewiesen!

Update 23. April 2019

Joy erholt sich zusehends! Das ist so unglaublich schön zu sehen - und auch gleichzeitig fast unfassbar, was so ein kleiner Welli aushalten und wegstecken kann. Es sieht so aus, als würden sogar die Schwungfedern nachwachsen.

Wenn ich die Transportbox aufmache und nicht schnell genug bin, dann kommt sie inzwischen - schwupps - sofort oben rausgeklettert. Beim Eincremen macht sie mir jetzt mittlerweile auch recht schmerzhaft klar, dass sie das absolut blöd findet, was ich da mit ihr mache.

Das Köpfchen wird natürlich weiter behandelt, das Auge wird noch ein paar Tage mit Salbe versorgt. Joy hatte nach der OP giftgrünen Leberkot, aber auch der sieht heute zwar noch nicht gesund, aber deutlich besser aus. Über der Wachshaut sind auch schon wieder Federchen zu sehen.

Der behandelnde Tierarzt meinte, dass es wirklich "ein Ritt auf dem Pulverfass" war Joy zu operieren - aber eben auch ihre einzige Chance auf Leben!

Ninja hadert sehr mit ihrem momentanen Schicksal im Käfig sitzen zu müssen. Sie ist auch immer noch recht dünn, frisst aber inzwischen besser. Auch bei ihr wachsen langsam schon wieder Federchen neben dem Schnabel.

Update 5. Mai 2019

Joy und Ninja erholen sich weiterhin von ihren Strapazen. Sie sitzen jetzt seit ein paar Tagen wieder zusammen in einem kleinen Käfig und bekommen zurzeit noch ein Medikament gegen Trichomonaden. Die dritte Behandlung gegen die Milben haben sie auch schon bekommen und gut vertragen.

Ninjas Federn sind prima nachgewachsen und sie ist glücklicherweise auch wieder etwas munterer geworden. Den Milbenbefall sieht man so jetzt nur noch an ihrem stumpfen, brüchigen Schnabelhorn - aber auch das wird mit ständiger Pflege besser. Leider schont sie immer wieder ihr linkes Beinchen. Das klären wir in der Vogelklinik ab, wahrscheinlich muss sie geröntgt werden. Ninja ist sehr scheu und schnell gestresst - im Gegensatz zu Joy ...

Die "Wandlung", die mit Joy passiert, ist einfach nur unglaublich! Sie blüht regelrecht auf, ist putzmunter und hat zweifelsfrei "die Hosen an" im Käfig. 

Die Operationswunde sieht sehr gut aus. Das Köpfchen sieht schon deutlich besser aus, wird aber noch sehr lange brauchen, bis es abgeheilt ist. Eine OP ist zu einem späteren Zeitpunkt leider auch weiterhin nicht ausgeschlossen. Joy hat auch Probleme mit ihrem linken Beinchen. Das liegt bei ihr sicherlich an den Arthrosen, die auf dem Röntgenbild deutlich sichtbar waren. Heute bekommt sie noch einmal ein Medikament, um zu verhindern, dass sie wieder brutig wird. Morgen geht es dann wieder in die Vogelklinik zum Fädenziehen.

Joy hat sich auch nicht davon abhalten lassen, in einem wirklich sehr kleinen Wassernapf zu baden, nebst Medikamenten im Trinkwasser. Und wie sie danach aussah, seht Ihr auf dem Bild. Die Kleine strotzt einfach nur vor Lebenswillen und Lebensfreude!

Joy hat im Wassernapf gebadetDas Köpfchen sieht schon viel besser ausNinja sieht richtig prima aus

Update 12. Mai 2019

Joy und Ninja erholen sich weiter gut. Leider sind jetzt auch noch geringgradig Megas nachgewiesen worden, es handelt sich aber nicht um einen Schub. Vorsichtshalber werden die Beiden trotzdem ca. 14 Tage behandelt, und dann wird nochmal kontrolliert.

Joys Köpfchen heilt super ab, die riesige Schorfplatte hat sie selbst irgendwie abgepult. Ihre hormonelle Lage besorgt uns erneut. Trotz Hormonbehandlung deutet alles darauf hin, dass sie noch nicht wirklich "zur Ruhe" gekommen ist. Sehr wahrscheinlich wird sie demnächst ein Hormonimplantat erhalten müssen, damit keine weiteren Eier gebildet werden, denn das würde sie wohl nicht überleben. Dieses Risiko möchten wir für die kleine, lebensfrohe Joy natürlich nicht eingehen.

Ninja wurde geröntgt. Sie hat eine vergrößerte Leber und leicht geschwollene Nieren. Auch beginnende Arthrosen kann man nicht ausschließen. Unterstützung für Leber und Nieren bekommen Beide weiterhin über ihr Trinkwasser.

Wie gut es Ninja schon geht, zeigt ihr verärgerter Ausbruchversuch beim Wiegen. Der Pappkarton hat eindeutig den Kürzeren gezogen.

Joys Köpfchen ist prima verheilt.Ausbruchsversuch beim Wiegen, Ninja nagst sich durch den Pappkarton

 

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